Nach WM-Pleite: Julian Nagelsmann in Erklärungsnot

Nach dem 1:2 gegen Ecuador gerät der Bundestrainer erstmals bei dieser WM in Erklärungsnot. Pit Gottschalk kritisiert im Fever Pit'ch Podcast vor allem die Fünferkette und vier Turnier-Debütanten beim Stand von 1:1 – ein „fatales Signal“ vor der K.-o.-Runde.

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Nach WM-Pleite: Julian Nagelsmann in Erklärungsnot
IMAGO/DeFodi Images

Das 1:2 gegen Ecuador war sportlich zunächst einmal verkraftbar. Deutschland stand bereits als Gruppensieger im Sechzehntelfinale, die Niederlage hatte keine Auswirkungen auf die Tabelle. Trotzdem war dieses Spiel ein Wendepunkt. Zum ersten Mal seit Beginn der Weltmeisterschaft werden nicht mehr nur einzelne Spieler oder Leistungen diskutiert – sondern die Entscheidungen des Bundestrainers. Julian Nagelsmann hat die Gruppenphase gewonnen. Doch das Vertrauen in seinen Plan hat gelitten.

Bis zum Ecuador-Spiel schien nahezu jede Entscheidung aufzugehen. Nathaniel Brown verdrängte David Raum. Felix Nmecha spielte sich im Mittelfeld fest. Und Leroy Sané zahlte dann gegen Ecuador das Vertrauen des Bundestrainers mit seiner bislang besten Turnierleistung zurück. Ausgerechnet an diesem Abend aber brach Deutschlands Spiel erstmals sichtbar auseinander. Für Pit Gottschalk ist dabei weniger die Niederlage entscheidend als ihre Art. „Man verliert nicht gegen Ecuador“, sagte er im Fever Pit’ch Podcast und kritisierte vor allem den Auftritt der deutschen Mannschaft. Nagelsmann sprach hinterher selbst von „Harakiri“ und „Freestyle“. Genau diese Worte werfen nun Fragen auf: War es nur ein schlechter Abend – oder zeigte sich erstmals die Kehrseite seines mutigen Ansatzes?

Erstmals richten sich die kritischen Fragen deshalb an den Bundestrainer. Vor allem die Wechsel und die Umstellung auf eine Fünferkette werden diskutiert. Für Gottschalk ging davon ein „fatales Signal“ aus. „Wir haben auf Halten gespielt“, kritisierte er. Wer beim Stand von 1:1 vier Turnier-Debütanten bringt und das Spiel sichtbar verwaltet, vermittelt seiner Mannschaft womöglich, dass dieses Ergebnis nicht mehr höchste Priorität hat. Nagelsmann widersprach energisch und reagierte auf entsprechende Fragen ungewohnt gereizt. Doch genau das zeigt seine neue Situation: Er muss Entscheidungen erklären, die bislang kaum jemand hinterfragt hatte.

Plötzlich stehen wieder genau die Fragen im Raum, die eigentlich beantwortet schienen. Wer kontrolliert das Zentrum? Muss Joshua Kimmich wieder ins Mittelfeld rücken? Gibt Manuel Neuer der Abwehr tatsächlich die erhoffte Sicherheit? Und warum warten Florian Wirtz und Jamal Musiala weiter auf ihren ersten prägenden WM-Moment? Statt gefestigt in die K.-o.-Runde zu gehen, wird plötzlich wieder über Personal, System und Hierarchie diskutiert. „Wir werden jetzt wieder Wochen zurückgeworfen“, sagte Gottschalk. Genau das ist Nagelsmanns eigentliches Problem.

Die gute Nachricht für Nagelsmann: All das passiert vor der K.-o.-Runde – nicht danach. Die schlechte: Ecuador hat den kommenden Gegnern gezeigt, wie Deutschland aus dem Rhythmus zu bringen ist. „Ecuador hat den Bauplan geliefert, wie man die Deutschen besiegen kann“, warnte Gottschalk. Die K.-o.-Phase entscheidet jetzt nicht nur über Deutschlands WM. Sie entscheidet darüber, ob Nagelsmann den Zweifel an seinem Plan wieder ausräumen kann.

Den kompletten Fever Pit'ch Talk gibt's zu sehen unter diesem Link.

Takeaways

- Deutschland verlor das Gruppenspiel gegen Ecuador mit 1:2, stand aber bereits als Gruppensieger im Sechzehntelfinale fest.
- Erstmals seit Turnierbeginn richten sich die kritischen Fragen an Bundestrainer Julian Nagelsmann und nicht mehr nur an einzelne Spieler.
- Im Zentrum der Kritik stehen die Wechsel und die Umstellung auf eine Fünferkette beim Stand von 1:1.
- Pit Gottschalk sieht im Einsatz von vier Turnier-Debütanten und im Verwalten des Spiels ein „fatales Signal“ und spricht davon, auf Halten gespielt zu haben.
- Nagelsmann bezeichnete den Auftritt selbst als „Harakiri“ und „Freestyle“ und reagierte auf kritische Fragen ungewohnt gereizt.
- Durch die Partie werden offene Fragen zu Zentrum, Rolle von Joshua Kimmich, Manuel Neuer sowie Florian Wirtz und Jamal Musiala erneut diskutiert.
- Laut Gottschalk hat Ecuador den kommenden Gegnern einen „Bauplan“ geliefert, wie Deutschland aus dem Rhythmus zu bringen ist.

Abschnitte

00:00 Einleitung und Standort von Pit Gottschalk
02:58 Analyse des Spiels gegen Ecuador
05:43 Trainerwechsel und Taktikfragen
08:59 Kritik an der Mannschaftsleistung
11:35 Vorbereitung auf das Sechzehntelfinale
14:23 Manuel Neuer und die Torwartfrage
17:24 Hoffnungsschimmer für die K.o.-Runde
19:46 Abschluss und Ausblick

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