Mönchengladbach: Tim Kleindienst teilt aus - und nimmt sich selbst in Schutz

Ein Stürmer prangert seine jungen Kollegen öffentlich ab – und liefert im selben Spiel die Vorlage für die Frage, ob das der richtige Weg ist.

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Mönchengladbach: Tim Kleindienst teilt aus - und nimmt sich selbst in Schutz
IMAGO/Laci Perenyi

Tim Kleindienst war genervt. Aber so richtig. Nach dem 3:4 gegen den Bundesliga-Neuling SV Elversberg holte der Stürmer von Borussia Mönchengladbach zum Rundumschlag aus. „Weniger TikTok gucken, oder was weiß ich“, empfahl er den jungen Mitspielern. Ein Satz, der sitzt – und der sofort durch die Republik ging.

Genau darin liegt das Problem. Kleindienst hat in der Sache recht, und trotzdem ist der Weg falsch. Wer nach einer verspielten 3:1-Führung die eigenen Kollegen über das Mikrofon abkanzelt und dabei ausgerechnet die Jüngeren markiert, verlagert einen Konflikt aus der Kabine auf die Titelseiten. Das ist keine Führung, das ist ein Ventil.

Dabei fehlt es der Analyse selbst nicht an Substanz. „Wir haben es verschissen. Es geht definitiv in die falsche Richtung“, sagte der 31-Jährige. Er forderte Fokus über die vollen 90 Minuten, klare Aktionen ohne sinnlose Ballverluste, Fehlpässe und Fouls. „Einfach den Ball von mir aus aufs Tribünendach ballern, aber halt nicht, wie wir es gemacht haben.“ Fußballerisch ist daran nichts zu deuteln.

Und doch macht Kleindienst genau das, was er anprangert, zur Frage der Perspektive. Das 2:1 leitete er selbst ein, mit einem Einwurf, obwohl er wohl zuletzt am Ball gewesen war. „Das war eine 50:50-Aktion“, sagte er, „sie können den Einwurf ja zurückpfeifen, wenn es falsch war.“ Der Mann, der 90 Minuten Klarheit verlangt, nimmt für sich selbst die Grauzone in Anspruch. Bei den anderen ist es Konzentrationsmangel, bei ihm die abgezockte 50:50-Aktion.

Gewiss, ein erfahrener Stürmer darf Standards setzen. „Wir waren alle mal jung, machen alle mal Fehler“, sagte Kleindienst, „aber wir wollten anfangen, im Spiel auch mal zu lernen.“ Wer selbst geliefert und die Führung mitgeschossen hat, dem steht ein deutliches Wort zu. Klartext in der Kabine ist keine Respektlosigkeit, sondern Anspruch. Eine Mannschaft, die ein 3:1 gegen einen Aufsteiger noch aus der Hand gibt, braucht jemanden, der das ausspricht.

Nur adressiert Kleindienst das falsche Gremium. „Keine Ahnung, woran es liegt. Weniger TikTok gucken … Ist mir eigentlich wurscht, was sie machen.“ Wem es wurscht ist, was seine Mitspieler tun, der sollte es auch nicht der Presse erzählen. Denn die TikTok-Pointe erklärt nichts. Sie ist der bequeme Griff zur Generationenkeule, weil sie sich leichter sagt als: Diese Mannschaft verteidigt in der Schlussphase nicht konsequent.

Der Fokus, den Kleindienst zu Recht einfordert – „dass sie die 90 Minuten klar bei Verstand sind“ –, gilt eben auch für den, der das Mikrofon hält. Wer öffentlich austeilt, übernimmt Verantwortung dafür, dass die Jüngeren nun nicht am Spiel arbeiten, sondern an der Schlagzeile über sich. Das schwächt genau die Konzentration, die er verlangt.

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