Mohya-Nominierung: Einen Fehler darf man jetzt nicht wiederholen
Bundestrainer Klopp bietet dem Gladbacher Jungstar eine Art von Schnupperkurs im DFB-Trikot an, damit die Akklimatisierung sofort und nicht irgendwann beginnt.
Ich gebe zu: Die Nominierung von Wael Mohya hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Natürlich ist mir aufgefallen, wie der Teenager kürzlich den VfB Stuttgart schwindelig spielte und fast im Alleingang Borussia Mönchengladbach aus dem Tal der Tränen katapultierte. Ich will aber nicht vergessen, dass Gladbach Letzter ist, und frage mich deshalb: Reichen schon ein paar gute Bundesliga-Minuten, um Nationalspieler zu werden? Mohya ist 17. Er kann noch keine feste Größe sein.

Offenbar beeindruckte Bundestrainer Jürgen Klopp das Selbstbewusstsein des jungen Mannes, als sie ihre Gedanken austauschten, und so einen mag ein Trainer ja immer: einen Spieler, der keine Angst kennt. Klopp bietet ihm eine Art von Schnupperkurs im DFB-Trikot an, damit die Akklimatisierung sofort und nicht irgendwann beginnt. Wenn das klappt, ist das gut. Wenn das alle anderen auch so sehen, umso besser. Denn einen Fehler sollte man bei Mohya nicht machen.

Der wäre: ihn zum Hoffnungsträger hochzujazzen, bevor er Greifbares erreicht hat. Er ist kein Messi und kein Ronaldo, sondern ein gutes Talent, womöglich sogar ein großes, und wir dürfen glücklich sein, dass wir solche Begabten in den eigenen Reihen wissen - ihn, Paris Brunner, Lennart Karl und vielleicht Nicolò Tresoldi. Aber es ist nicht lange her, dass wir Florian Wirtz und Jamal Musiala als Nonplusultra verkauften. Blamiert haben wir uns bei der WM trotzdem.

Der deutsche Fußball steckt in einer Situation, dass die Nationalelf offenbar nicht auf einen 33-jährigen Stürmer verzichten kann, der nach einer trostlosen Zeit in England und Italien plötzlich wieder weiß, wo das Tor steht. Niclas Füllkrug hat sich die Nominierung für die Länderspiele in Serbien (13.11.) und in Berlin gegen die Niederlande (16.11.) redlich verdient. Wir wollen dabei jedoch nicht ignorieren, dass wir offenbar gerade jeden Deutschen brauchen, der einen Torriecher hat.


