Mbappé zählt zehn Tore und keinen Titel - trotzdem will er den Ballon d'Or

Zehn Treffer bei der WM, aber Real Madrid ohne Trophäe und Frankreich raus im Halbfinale: Woraus baut der Franzose seine Rechnung für die Auszeichnung?

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UEFA Champions League 2026 2027 - Real Madrid CF training session and press conference, PK, Pressekonferenz in Madrid, Spain - 07 Sep 2026 Kylian Mbappe (Real Madrid CF) attends a press conf
Foto: IMAGO/SOPA Images

Vor dem Anpfiff gegen Italiens Meister Inter Mailand an diesem Dienstag um 21.00 Uhr redet Kylian Mbappé nicht über das Champions-League-Spiel, das ihm bevorsteht. Er redet über eine Auszeichnung. 2026 könne ein „gutes Jahr“ für den Ballon d'Or sein, sagt der 27 Jahre alte Angreifer von Real Madrid. Und er hat schon eine Begründung mitgebracht.

„Ich habe diesen Sommer bei dem prestigeträchtigsten Wettbewerb Geschichte geschrieben“, sagt Mbappé über die WM in den USA, Mexiko und Kanada, bei der er mit zehn Treffern Torschützenkönig wurde. Nur: Eine Einzelauszeichnung baut er hier aus einer Torschützenkrone und einem Halbfinal-Aus, nicht aus einem gewonnenen Wettbewerb. Das ist die Rechnung, die nicht aufgeht.

Denn mit Frankreich schied Mbappé im WM-Halbfinale gegen Spanien aus, 0:2, gegen den späteren Weltmeister. Zehn Tore, und am Ende sitzt ein anderer die letzte Runde durch und hebt den Pokal. Die Torschützenkrone ist die Auszeichnung dessen, der am weitesten kommt, ohne oben anzukommen.

Auch der Blick auf die Vereinssaison hilft ihm nicht. In seiner zweiten Saison bei Real blieben die Königlichen erneut ohne Titel – das „erneut“ trägt hier Gewicht, denn es beschreibt keinen Ausrutscher, sondern ein zweites Jahr in Folge ohne Trophäe für den teuersten Kader dieses Sports. Wer den Ballon d'Or aus Toren allein ableiten will, muss erklären, warum diese Tore am Jahresende nichts gewonnen haben.

Man kann das anders sehen, und Mbappé sieht es anders. Er hat, wie er selbst sagt, bei einem Weltturnier Geschichte geschrieben, und die Auszeichnung vergibt die französische Fußball-Fachzeitschrift France Football, es stimmen Journalisten ab. „Die Journalisten stimmen ab, und sie werden entscheiden“, sagt er. Einem Torschützenkönig einer WM den prestigeträchtigsten Titel dieses Sports zu verweigern, ist keine Selbstverständlichkeit – Reporter belohnen Spektakel, und zehn Tore auf der größten Bühne sind Spektakel.

Allein, die Rangliste des Vorjahres erzählt eine andere Geschichte. Da landete Mbappé beim Sieg seines französischen Teamkollegen Ousmane Dembélé nur auf Platz sieben. Dembélé von Paris Saint-Germain gewann, Mbappé wurde Siebter – und zwischen Platz eins und Platz sieben liegt selten nur der bessere Sturmlauf, sondern meistens der gewonnene Wettbewerb.

Wie hoch die Latte hängt, zeigt der Rekordgewinner: Lionel Messi hat den Ballon d'Or achtmal gewonnen. Acht Trophäen, gebaut über Jahre aus Titeln, nicht aus Trostpreisen einzelner Sommer. Vor diesem Maßstab wirkt eine Bewerbung, die auf Torschützenkrone und Halbfinal-Aus fußt, wie eine Rechnung mit einer fehlenden Zeile.

„Ich konzentriere mich nur darauf, mein Bestes zu geben“, sagt Mbappé noch. Sein Bestes war in diesem Sommer sehr gut und reichte trotzdem nicht bis zum Finale. Der Ballon d'Or belohnt am Ende den, der etwas hochhält – und Mbappé hat diesen Sommer nichts hochgehalten außer der eigenen Statistik.