Klopp rätselt über Kane – aber der Bayern-Trainer winkt lächelnd ab

Der Bundestrainer grübelt über das Pressing eines Weltklasse-Stürmers, der beim 2:2 gegen Arsenal großartig aufspielte. Vermutlich deswegen, weil ihm so ein Mann in der Nationalelf fehlt

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21.10.2026, Fussball UEFA Championsleague 2026 2027: 3.Spieltag, FC Bayern München - FC Arsenal, in der Allianz-Arena München, Bundestrainer Jürgen Klopp (Deutschland) in der Nähe von Karl H
Foto: IMAGO/MIS

Ein Traumpass aus der Tiefe auf Serge Gnabry in der 20. Minute, der eine Großchance bringt. 15 Minuten später wieder einer, diesmal landet er bei Alphonso Davies; der macht das 1:1. Und in der 61. ist Harry Kane plötzlich vorne im Strafraum, holt den Handelfmeter heraus und verwandelt ihn selbst zum 2:1. Eine Großchance aufgelegt, ein Tor vorbereitet, einen Elfmeter herausgeholt und verwandelt – so sah der Abend des Mannes bei einem 2:2 aus, über dessen Laufwege der Bundestrainer anschließend öffentlich rätselte.

Jürgen Klopp hatte bei DAZN über Kompanys Spiel gegen den Ball und Kanes Rolle im Pressing gegrübelt. „Das finde ich mit Ball in Ordnung, aber gegen den Ball?“, fragte er, weil der Mittelstürmer mitunter am eigenen Strafraum zu finden sei. Neben dem, was Kane gegen den FC Arsenal tatsächlich lieferte, wirkt dieses Nachhaken wie der Lehrer, der ausgerechnet am besten Schüler der Klasse herumkorrigiert.

Natürlich spricht Klopp als Bundestrainer einen echten taktischen Punkt an, und er tut es ehrlich. „Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht“, sagte er, „mal ist es hybrid, dann Mann gegen Mann, dann nicht gegen den Mann. Ich lerne immer noch.“ Dass er sich nicht zum „Papst des Fußballs“ erklärt und eingesteht, auch selbst nicht dahintergestiegen zu sein, nimmt dem Ganzen die Arroganz. Kane bestätigt den Befund ja sogar: Arsenals Bewegung habe die Bayern verwirrt, man sei tiefer gefallen als gewollt, das sei „etwas, das ich und die Mannschaft verbessern können“.

Nur: Ein Abend, an dem ein Spieler ein Tor vorbereitet, eine Großchance auflegt, den Elfer zieht und ihn reinmacht, ist kein Fall für die Nachhilfestunde. Die Verwirrung gegen den Ball blieb folgenlos. Das Ergebnis trägt Kanes Handschrift, nicht das Pressing-Detail, an dem Klopp sich festbeißt.

Kompany hat das in einem Satz erledigt. „Ja, da sage ich nichts zu. Nächste Frage“, sagte er süffisant lächelnd – und das ist die angemessene Antwort auf eine Debatte, die am Ergebnis vorbeigeht. Erst später lieferte er die Analyse nach, die Klopp vermisst hatte, und zwar aus eigener Erfahrung: „Was Harry sehr gut macht – ich habe gegen ihn ja ganz oft verteidigt: Er ist manchmal da oder nicht, aber er kommt, auf jeden Fall.“

Genau diese scheinbare Unordnung ist das System. Kane ist „überall“, wie Klopp selbst beobachtet hat, und Kompany dreht die Beobachtung ins Positive: ein Spieler, der „unglaublich oft die richtigen Entscheidungen trifft“. Der heiße Anwärter auf den Ballon d'Or wird nicht an seiner Position am eigenen Strafraum gemessen, sondern daran, was hinten im gegnerischen passiert. Dort passierten gegen Arsenal die entscheidenden Dinge.

Man darf ein Pressing hinterfragen, gerade als Bundestrainer, der sich weiterbilden will. Aber wer das am Tag nach einer Vorlage und einem verwandelten Elfmeter tut, sucht den Fehler am falschen Ende des Platzes. Die Scorerpunkte stehen auf Kanes Seite, das Fragezeichen auf Klopps.