Klopp dampft ein: Jetzt zählt nur noch das Viertelfinale
Nach 44 Namen zum Einstand wird das Aufgebot am 5. November klein. Zwei Spiele, ein Auftrag, kein Platz mehr fürs Ausprobieren.
44 Spieler zum Einstand, einmal ganz Deutschland durchgesehen – und jetzt die Rolle rückwärts. Am 5. November gibt Bundestrainer Jürgen Klopp seinen Kader für die Nations-League-Spiele in Serbien und gegen die Niederlande bekannt, und das Aufgebot fällt deutlich kleiner aus. Von der ganz großen Casting-Show bleibt diesmal nicht viel übrig.
Das ist keine Marotte des Trainers, das ist Zwang. Deutschland hat nach vier Spielen fünf Punkte auf dem Konto und liegt in der Gruppe A2 hinter den Niederlanden und Griechenland, die mit je acht Zählern und damit drei mehr vorneweg marschieren, nur auf Rang drei. Und weil allein die ersten beiden Teams das Viertelfinale erreichen, stehen in Belgrad und Berlin zwei Endspiele an. Wer zwei Endspiele spielt, probiert nichts mehr aus.
Klopp hat das selbst vorweggenommen. „Wir werden nicht zwei verschiedene Spiele mit zwei verschiedenen Mannschaften machen“, hatte er angekündigt – ein Satz, der die 44 Namen von einst praktisch für erledigt erklärt. Zwischen dem 13. November in Serbien und dem 16. November gegen die Niederlande liegen drei Tage. Da gibt es keine zwei Elf, da gibt es eine, die funktionieren muss.
Man kann den Schnitt natürlich auch als Fortschritt lesen: Der Trainer hat seine Mannschaft gefunden, die Sichtungsphase ist durch, nun regiert Kontinuität statt Breite. 44 Spieler schaut man sich an, wenn man sucht; eine kleine Gruppe nominiert, wer weiß, was er hat. Nach diesem Bild wäre das verkleinerte Aufgebot ein Zeichen von Ruhe.
Nur deckt die Tabelle diese Ruhe nicht. Drei Punkte Rückstand auf Platz zwei nach vier Spielen sind kein Polster, auf dem man Überzeugungen pflegt – das ist der Abstand, der Deutschland aus dem Viertelfinale hält, wenn in den nächsten beiden Spielen etwas schiefgeht. Klopp dampft seinen Kader nicht ein, weil er alles geklärt hätte, sondern weil ihm die Rechnung keine Wahl lässt.
Dazu kommt die Kulisse, die keine ist. Das Spiel in Belgrad findet nach einer UEFA-Strafe ohne Zuschauer statt. Kein Heimvorteil für Serbien, aber eben auch keine Atmosphäre, in der eine Elf über sich hinauswächst. Eine leere Schüssel, in der kühl abgearbeitet werden muss, was die Punkte verlangen. Danach Berlin, der direkte Vergleich mit dem Spitzenreiter, der die Gruppe mit acht Punkten anführt.
Der Treffpunkt am 9. November in Herzogenaurach, die Mannschaft um Kapitän Joshua Kimmich, die wenigen Tage Vorbereitung – alles ist auf Funktion getrimmt. Für Experimente war Zeit, als 44 Namen auf der Liste standen. Jetzt ist der Luxus vorbei, den sich ein Bundestrainer zum Einstand leisten durfte.
Der kleine Kader ist also keine Reifeprüfung, die Klopp bestanden hätte. Er ist eine Quittung: Fünf Punkte aus vier Spielen lassen ihm nichts anderes übrig, als auf Sicherheit zu setzen.