Hannover 96 kauft den Namen Sandro Wagner – nicht seine Bilanz

Der Tabellen-15. holt einen Trainer, dessen letzte Station nach zwölf Spielen und 27 Gegentoren endete. Punkte verspricht das nicht.

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ACHTUNG FOTOMONTAGE: Sandro WAGNER wird Trainer beim Zweitligisten Hannover 96. ARCHIVFOTO. Einzelbild,angeschnittenes Einzelmotiv,Portraet,Portrait,Porträt *** ATTENTION: PHOTO MONTAGE Sand
Foto: IMAGO/Sven Simon

„Wir sind durch“, sagte Martin Kind am Samstag dem SID, und in dem knappen Satz des 82 Jahre alten Aufsichtsratsvorsitzenden steckt die Erleichterung nach einer Woche Trainersuche. Sandro Wagner, 38, ehemaliger Nationalspieler, wird neuer Trainer von Hannover 96, sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2028. Das erste Training leitet er am Montag. Gegen den VfL Bochum am Sonntag steht noch U23-Trainer Lars Barlemann an der Seitenlinie, der nach der Freistellung von Christian Titz vergangene Woche übernommen hatte.

Was Hannover mit Wagner einkauft, hat Geschäftsführer Sport Jonas Boldt selbst gesagt: „Sandro Wagner ist sicherlich eine Persönlichkeit, die man im deutschen Fußball kennt.“ Das stimmt ja auch. Nur braucht der Tabellen-15. mit vier Punkten aus fünf Spielen gerade keine Bekanntheit, er braucht Punkte. Und dafür spricht Wagners letzte Station nicht.

Beim FC Augsburg war nach zwölf Bundesliga-Spielen Schluss, Anfang Dezember 2025, nach einem 0:3 in Hoffenheim. Zehn Punkte hatte die Mannschaft bis dahin geholt, der schlechteste Punkteschnitt in Augsburgs Bundesliga-Geschichte. Die 27 Gegentore waren der schlechteste Wert der Liga, das 0:6 gegen RB Leipzig die höchste Heimniederlage des Klubs. Geschäftsführer Michael Ströll begründete die Trennung damit, dass Glaube und Überzeugung für eine Wende gefehlt hätten.

Hannover sieht einen anderen Trainer. Wagner hat die SpVgg Unterhaching 2023 in die 3. Liga geführt und als Co-Trainer beim damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann gearbeitet. Boldt beeindruckte, wie gründlich er sich auf die Gespräche vorbereitet hatte, mit Blick auf Kader und bisherige Saison: „Er ist ein Typ, der akribisch arbeitet und für die Aufgabe brennt.“ Ein junger Trainer, der aus einem Rückschlag lernt und eine Liga tiefer die zweite Chance bekommt: Das ist eine schlüssige Erzählung.

Sie hat nur einen Haken. Aus Augsburg ist nicht das Bild eines Trainers geblieben, der knapp gescheitert ist. Die Abwehr war die schwächste der Liga, und zwar in einer Mannschaft, die er im Sommer selbst übernommen und vorbereitet hatte. Hannover wartet seit dem Abstieg 2019 auf die Rückkehr und steht nach fünf Spieltagen dort, wo eine lange Eingewöhnung nicht drin ist. Für diesen Auftrag spricht die Augsburger Bilanz nicht.

Wagner selbst lobt seinen neuen Arbeitgeber in höchsten Tönen: „Hannover 96 ist ein Klub mit Wucht – mit einer großen Tradition, einer sehr lebendigen Fankultur und einem erfolgshungrigen Umfeld.“ Wie erfolgshungrig dieses Umfeld ist, hat sein Vorgänger erfahren. Titz musste nach fünf Spieltagen gehen.

„Wir sind durch“, sagt Kind. Mit der Suche ist Hannover das tatsächlich. Verpflichtet hat der Klub einen bekannten Namen, und die Augsburger Zahlen hat er gleich mit eingekauft.