Go West: Jagd auf die letzte Elf der DDR

Die Mauer fiel wenige Tage vor dem entscheidenden WM-Qualifikationsspiel. Für Sammer, Kirsten und Thom begann damit ein Wettlauf um ihre Zukunft.

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Matthias Sammer im Interview für die Doku
Matthias Sammer wollte sich mit der DDR für die WM 1990 qualifizieren, dann fiel die Mauer. Foto: ZDF

Am 9. November 1989 saßen die besten Fußballer der DDR in der Sportschule Abtnaundorf vor dem Fernseher und sahen, wie die Mauer fiel. Wenige Tage später sollten sie in Wien gegen Österreich um die WM 1990 spielen, ein Unentschieden hätte gereicht. Die Mannschaft von Trainer Eduard Geyer um Matthias Sammer, Ulf Kirsten, Andreas Thom und Rico Steinmann galt als goldene Generation, kaum jemand zweifelte an der Qualifikation. Dann kam alles anders.

Die dreiteilige ZDF-Dokuserie „Go West! – Die letzte Elf der DDR“ erzählt, wie aus dem Qualifikationsspiel ein Wettlauf um die Spieler wurde, und sie erzählt ihn mit denen, die dabei waren. Seit 18. September steht sie im ZDF-Streaming, das ZDF zeigt sie in der Nacht zum Samstag, 26. September, von 0.00 bis 1.30 Uhr. Im Zentrum steht ein Mann aus dem Westen: Reiner Calmund, damals Manager von Bayer Leverkusen, der nach dem Mauerfall die Chance seines Klubs erkannte.

Calmund verhandelte wenige Tage nach dem Mauerfall in Dresden mit Kirsten und Sammer. Wie das ankam, erzählt er selbst: „Da haben die gesagt: ‚Leck mich am Arsch, der Calmund ist ja gar nicht so ein Stasi-Kopf wie die, die uns hier sonst immer rumkommandieren‘.“ Andreas Thom wechselte nur wenige Monate nach dem Mauerfall vom BFC Dynamo nach Leverkusen und wurde der erste offizielle DDR-Transfer der Bundesliga: „Ich hatte kaum Zeit, mich von all meinen Freunden, Bekannten und meinen Eltern zu verabschieden.“

Man kann das als Erfolgsgeschichte erzählen. Die DDR-Stars bekamen die Bühne, die ihnen im alten System verschlossen war, und der gesamtdeutsche Fußball bekam Spieler, die ihn über Jahre prägten. Wer Calmund für seine Jagd kritisiert, muss erklären, was die Spieler in einem Land ohne Zukunft hätten tun sollen.

Die Doku lässt trotzdem hören, was dabei verloren ging, und zwar von den Gewinnern selbst. Ulf Kirsten erinnert sich an seine erste Kabine in Leverkusen: „Da kommen die Ossis, nehmen uns A den Platz weg und B gucken wir erst mal, ob sie überhaupt Fußball spielen können.“ Und Matthias Sammer, der mit Kirsten im Sommer 1990 Dynamo Dresden verließ, aber zu einem anderen Verein ging, spricht über den Freund: „Veränderung – und gleichzeitig Verlust. Es war Verlust.“

Das letzte Spiel der DDR bestritt die Auswahl im September 1990. Wie es um diese Mannschaft stand, fasst Eduard Geyer in zwei Sätzen: „Also eingeladen habe ich 33 Spieler. Leider sind nur 14 Spieler erschienen.“ Thom und Kirsten spielten da schon in Leverkusen.