"Für mich ist Klopp die falsche Wahl für den DFB"

Nach dem dritten WM-Aus in Folge gilt Jürgen Klopp vielen als Retter der Nationalmannschaft. Günter Klein, Chefreporter des Münchner Merkur, widerspricht: Für ihn ist Klopp die falsche Wahl als Bundestrainer beim DFB.

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"Für mich ist Klopp die falsche Wahl für den DFB"
IMAGO/STEINSIEK.CH

Nach dem dritten peinlichen WM-Aus in Folge ruhen die Hoffnungen in Deutschland auf einem Mann: Jürgen Klopp, dem erfolgreichsten deutschen Vereinstrainer der vergangenen 20 Jahre. Die Öffentlichkeit ist sich weitgehend einig. Klopp soll aufräumen. Klopp soll die Nationalmannschaft wieder nach oben führen. Doch genau in diesem Gedanken könnte der nächste große Irrtum liegen.

„Für mich ist er die falsche Wahl“, sagt Bayern-Experte Günter Klein, der Chefreporter des Münchner Merkur, im Fever Pit'ch Podcast. Eine steile These, die auf den ersten Blick wie ein Urteil über Klopp klingt. Tatsächlich geht es Klein aber um mehr als die Frage, ob der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer der vergangenen 20 Jahre auch ein guter Bundestrainer wäre.

Klein bewertet Klopps Wechsel zu Red Bull kritisch, weil sie aus seiner Sicht dessen Glaubwürdigkeit beschädigt hat. Vor allem aber bezweifelt er, dass Klopp beim DFB jene Bedingungen vorfindet, unter denen er in Mainz, Dortmund und Liverpool erfolgreich war.

Als Vereinstrainer konnte Klopp Mannschaften entwickeln, Transfers beeinflussen und über Jahre hinweg eine Spielidee etablieren. Ein Bundestrainer hat diese Möglichkeiten nicht. „Ein Bundestrainer ist immer davon abhängig, was an Spielern vorhanden ist“, sagt Klein. „Er kann sich nicht auf einem freien Markt bedienen wie ein Vereinstrainer.“ Deshalb wäre es ein Fehler, von Klopp als Bundestrainer das zu erwarten, was er als Vereinstrainer leisten konnte. Kein einzelner Trainer könne die strukturellen Defizite des deutschen Fußballs im Handstreich beseitigen. Die Probleme des DFB liegen tiefer.

Und genau das scheint der Verband gerade erneut zu ignorieren. Nach jedem Scheitern sucht der Verband den nächsten starken Mann: erst Hansi Flick, dann Julian Nagelsmann, jetzt Jürgen Klopp. Aus Kleins Sicht setzt der DFB erneut auf dieselbe Hoffnung: dass eine einzelne Persönlichkeit die Versäumnisse der vergangenen Jahre überdecken kann. „Der DFB ist ständig in einer Art Verwaltung der Mängel und versucht immer wieder Reparaturen anzubringen“, sagt Klein. Die eigentlichen Baustellen – Nachwuchsförderung, Talententwicklung und sportliche Strukturen – lassen sich so nicht beheben.

Besonders deutlich wird das für Klein am Umgang mit Rudi Völler. Während Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus gehen musste, bleibt der Sportdirektor im Amt. Dabei trage auch er Verantwortung für die Entwicklung der vergangenen dreieinhalb Jahre. Sein Urteil fällt entsprechend scharf aus: Völler sei zum „Abteilungsleiter Nostalgie“ geworden. Auch die geplante stärkere Einbindung der Weltmeister von 2014 passe für Klein ins gleiche Bild. Erfahrung könne helfen. Große Namen allein seien aber noch kein Konzept.

Vielleicht würde Klopp den DFB tatsächlich kurzfristig erfolgreicher machen. Genau das könnte aber sogar gefährlich sein. Denn bessere Ergebnisse würden leicht darüber hinwegtäuschen, dass die eigentlichen Probleme weiter bestehen. Die Zukunft des deutschen Fußballs entscheidet sich nicht an der Seitenlinie. Sie entscheidet sich in den Strukturen, der Talentförderung und der Führung des Verbands. Genau deshalb hält Günter Klein Jürgen Klopp für die falsche Wahl als Bundestrainer – nicht, weil er ihm die Qualität abspricht, sondern weil der DFB von ihm etwas erwartet, was kein Trainer allein leisten kann.

https://youtu.be/qVkhLpsqgno?si=1J8b7iyNG_1BaDRa

Den kompletten Fever Pit'ch Talk gibt's zu sehen unter diesem Link.

Takeaways

- Günter Klein hält Jürgen Klopp für die falsche Wahl als Bundestrainer, weil der DFB von ihm etwas erwarte, was ein einzelner Trainer nicht leisten könne.
- Klein unterscheidet zwischen einem Vereinstrainer, der Mannschaften entwickeln und Transfers beeinflussen kann, und einem Bundestrainer, der von den vorhandenen Spielern abhängig ist.
- Klein bewertet Klopps Wechsel zu Red Bull kritisch, weil dieser aus seiner Sicht dessen Glaubwürdigkeit beschädigt hat.
- Aus Kleins Sicht setzt der DFB nach jedem Scheitern auf einen starken Mann, zuletzt von Hansi Flick über Julian Nagelsmann bis Jürgen Klopp.
- Klein sieht die eigentlichen Probleme des DFB in Nachwuchsförderung, Talententwicklung und sportlichen Strukturen.
- Klein kritisiert, dass Sportdirektor Rudi Völler im Amt bleibt, während Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus gehen musste, und bezeichnet Völler als "Abteilungsleiter Nostalgie".
- Für Klein könnten kurzfristig bessere Ergebnisse unter Klopp darüber hinwegtäuschen, dass die strukturellen Probleme des deutschen Fußballs weiter bestehen.

Abschnitte

00:00 Die WM 2026 und die DFB-Krise
02:49 Jürgen Klopp als mögliche Lösung
06:10 Die Herausforderungen für den neuen Bundestrainer
10:13 Authentizität und die Rolle von Jürgen Klopp
13:03 Die Suche nach dem richtigen Bundestrainer
16:04 Der DFB und die Hoffnung auf Veränderung
18:46 Die Kluft im Fußball: Deutschland vs. Frankreich
20:18 Rudi Völler: Alternativen und Versäumnisse
22:38 Jürgen Klopp und die DFB-Strukturen
25:24 Die Rolle der Weltmeister von 2014
28:36 Thomas Müller: Zukunftsperspektiven im Fußball
30:21 Der DFB: Rücktritt und Reformbedarf
32:49 Zukunft des DFB: Veränderungen oder Stillstand?

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