Freiburg verliert das Finale und gewinnt die Sympathien
Beim 0:3 gegen Aston Villa fehlen dem Sport-Club am Bosporus die Mittel. Was bleibt, ist das Bild eines Klubs, der sich treu blieb.
Es bleibt bei der Reise, der Titel bleibt aus. Der SC Freiburg hat das Finale der Europa League in Istanbul gegen Aston Villa mit 0:3 verloren und damit den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte verpasst. Damit platzt zugleich der erstmalige Einzug in die Champions League, der mit diesem Pokal verbunden gewesen wäre. Stattdessen geht es nach Platz sieben in der Bundesliga in die Conference League. Das ist nicht wenig, und doch ist es weniger, als an diesem Abend möglich schien. Was bleibt, ist das Bild eines Klubs, der sich in einem Wettbewerb, in dem er traditionell nichts verloren haben sollte, bis ins Finale gespielt hat. Der Sport-Club hat in dieser Saison etwas geschafft, das deutschen Klubs jenseits der üblichen Verdächtigen selten gelingt: Er ist zum Sympathieträger geworden, ohne dafür sein Spiel zu verbiegen. Dass Bundestrainer Julian Nagelsmann, DFB-Präsident Bernd Neuendorf, die DFL-Spitze um Hans-Joachim Watzke, Marc Lenz und Steffen Merkel sowie die Klubikonen Christian Streich und Joachim Löw in die türkische Metropole reisten, war mehr als Pflichttermin. Es war ein Bekenntnis zu einem Verein, der für etwas steht, das man im deutschen Fußball gerade gut gebrauchen kann. 11.000 mitgereiste Freiburger gaben auf der Tribüne den Ton an, am Bosporus, in den Kneipen von Besiktas, auf Partybooten. Auf der Gegenseite saß Prinz William, Edelfan und Begleiter eines Klubs, der an diesem Abend einfach besser war. Aston Villa feierte den ersten Europa-League-Sieg und den ersten Erfolg im Europacup seit 1982, damals gegen Bayern München. Trainer Unai Emery stieg mit seinem fünften Titelgewinn in eine kleine Liga auf: Fünf Europapokalsiege gelangen zuvor nur Giovanni Trapattoni, Carlo Ancelotti und José Mourinho. Das ist die Dimension, gegen die Freiburg gespielt hat, und gegen die Freiburg verloren hat, ohne sich klein zu machen. Sportlich hielt der Bundesligist lange mit. Igor Matanović prüfte schon nach Sekunden mit einem Kopfball, und nach einer nervösen Anfangsphase fanden die Breisgauer über Standards in die Partie. Nicolas Höfler, der sein letztes Spiel als Profi bestritt, verfehlte nach einem Freistoß knapp das Tor. Doch zwei wunderschöne Aktionen des Favoriten kurz vor der Pause entschieden den Abend in seinen Grundzügen: Youri Tielemans traf in der 41. Minute mit einer Direktabnahme nach Flanke von Morgan Rogers, Emiliano Buendia schlenzte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit den Ball ins lange Eck. Nach dem Wechsel reichte ein schneller Angriff: Buendia flankte flach, Rogers entwischte Philipp Lienhart und spitzelte zum 3:0 ein. Danach war der Wille gebrochen. Bleibt die Frage, was diese Saison für Freiburg gewesen ist. Ein Finale ist kein Trostpreis, auch wenn es so endet. Der Sport-Club hat sich in einer Spielzeit, in der vieles im deutschen Fußball größer und lauter sein wollte, als das gallische Dorf positioniert, das es immer schon gerne wäre. Kapitän Christian Günter hatte vorher gesagt: „Wir werden auch für sie alles geben. Es wird ein besonderer Tag für uns und den Verein. Wir freuen uns einfach und wollen am Schluss das Ding in die Höhe halten." Das Ding bleibt in englischen Händen. Der Eindruck, den dieser Klub hinterlassen hat, bleibt in Freiburg.