FC Bayern: Max Eberl zeigt Härte nach außen — und wartet nach innen ab
Ein Sportvorstand demonstriert Verhandlungsmacht gegenüber drei Aussortierten. Über seine eigene Zukunft entscheiden aber andere.
„Keine Chance mehr auf eine Einigung“: Mit diesem Satz am Freitag, am Rande der Vorstellung von Ismael Saibari, ließ Bayern Münchens Sportvorstand Max Eberl einen möglichen Transfer von João Palhinha zu Aston Villa platzen. Der Premier-League-Klub wollte nur leihen, die Bayern wollen verkaufen. Punkt.
So klingt einer, der seine Verhandlungsmacht kennt und sie vorführt. „Das funktioniert einfach nicht, weil wir auch nicht in der Situation sind, alles machen zu müssen, was andere uns aufdrängen“, sagte Eberl. Ein starker Auftritt nach außen – während über seine eigene Zukunft der Aufsichtsrat noch nicht getagt hat.
Denn dieselbe Woche, in der Eberl drei aussortierten Profis öffentlich Härte zeigt, ist die Woche vor dem 25. August, an dem der Aufsichtsrat über seine Vertragsverlängerung berät. Der Mann, der Palhinha, Sacha Boey und Bryan Zaragoza die Grenzen aufzeigt, wartet selbst auf ein Votum, das nicht in seiner Hand liegt.
Dass Bayern bei den drei Verkäufen nicht klein beigibt, ist wirtschaftlich vernünftig. Wer nicht unter Druck steht, muss keinen Spieler unter Wert abgeben, auch wenn er ihn nicht mehr einplant. Bei Boey und Zaragoza gebe es „eine Gesamtkonstellation und bis jetzt leider noch keine Einigung“, so Eberl. Ein Vorstand, der die Nerven behält, wo andere hektisch werden.
Nur passt das Bild von der überlegenen Ruhe nicht zur zweiten Baustelle. Allen drei Profis wurde trotz laufender Verträge mitgeteilt, dass sie keine Rolle mehr spielen – und trotzdem sind sie am Freitag noch da. Palhinha soll sich mit Villa längst geeinigt haben, die Bayern bekommen ihn nicht los. Die Härte, die Eberl demonstriert, ist auch das Eingeständnis, dass die Planung dieses Sommers noch offen ist.
Und während er die Unberechenbarkeit des Marktes betont – der sei „nach einer WM unberechenbar“ –, liegt die größte Unberechenbarkeit näher als jeder Wechselgerüchte-Kreisel: in der eigenen Zukunft. Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat die Chancen auf eine Verlängerung zwar auf „100 Prozent“ taxiert. Doch Hoeneß sitzt nicht allein am Tisch.
Eberls eigene Worte verraten, wie wenig er das Ende in der Hand hat. „Die Position ist so, dass man sich unterhält und dass der Aufsichtsrat die Vorgabe machen muss“, sagte er. „Ich will meinen Job machen, ich will damit überzeugen, was ich tue.“ Und weiter, mit Verweis auf Präsident Herbert Hainer: „Der Aufsichtsrat wird gute Entscheidungen treffen – und das hoffe ich auch.“
Das ist die Sprache eines Bittstellers, kein Machtwort. „Ich hoffe“ ist der Ton eines Mannes, der auf ein Ergebnis wartet, nicht der eines Mannes, der es setzt.
So entsteht das Lehrstück dieses Freitags: Nach unten, gegenüber Palhinha, Boey und Zaragoza, spielt Eberl die ganze Klaviatur der Verhandlungsmacht. Nach oben, gegenüber dem Aufsichtsrat, bleibt ihm die Hoffnung. Wer öffentlich Stärke inszeniert, während über ihn selbst noch beraten wird, verwechselt nicht Ruhe mit Sicherheit – er hat schlicht keine andere Wahl.
Unbedingt lesen: Eberl: Bayern lässt Palhinha-Wechsel zu Aston Villa platzen