Fan-Verletzung vor Turiner Derby: Polizist unter Hausarrest

Infolge einer abgefeuerten Tränengasgranate lag ein italienischer Fan im künstlichen Koma. Dem Polizisten wird schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Teilen
Fan-Verletzung vor Turiner Derby: Polizist unter Hausarrest
Foto: © AFP/SID/MARCO BERTORELLO

Nach der schweren Kopfverletzung eines Fußballfans vor dem Derby zwischen dem FC Turin und Juventus Turin (2:2) hat die Staatsanwaltschaft Turin Hausarrest für einen Polizisten beantragt. Dem Beamten wird vorgeworfen, am 24. Mai eine Tränengasgranate abgefeuert und den 36-Jährigen dadurch schwer verletzt zu haben. Nach Überzeugung der Ermittler wurde der Fan nicht, wie anfangs vermutet, von einer Flasche oder einem Stein, sondern auf Kopfhöhe vom Stahlgehäuse der Granate getroffen. Diese habe sich aufgrund der zu kurzen Schussdistanz nicht ordnungsgemäß geöffnet.

Der verletzte Fan, ein Steuerberater aus Mailand, war mit einem Fanbus der Juventus-Ultras zum Derby angereist. Nach dem Vorfall lag er mehrere Tage im künstlichen Koma und musste am Schädel operiert werden. Im Juni wurde er aus dem Turiner Krankenhaus Molinette entlassen.

Gegen den Beamten wird wegen schwerer Körperverletzung ermittelt. Die Ermittler stützen sich auf Videoaufnahmen von Überwachungskameras und Polizeidrohnen sowie zahlreiche Zeugenaussagen. Als Juventus-Anhänger auf Fans des FC Turin losgingen, setzte die Polizei eigenen Angaben zufolge mehr als 130 Tränengasgranaten ein. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wich der Beschuldigte dabei von der Vorgabe ab, die Granate bogenförmig und aus größerer Entfernung abzufeuern, und nahm somit schwerste Verletzungen in Kauf.