Eintracht Frankfurt: Krösche schweigt, Hütter beschwichtigt - ein schlechtes Zeichen

Ein Vertrag bis 2028, ein Präsident, der nichts kommentiert, und zwei Männer, die nach dem Spiel nur über Fußball reden wollen. Das beruhigt niemanden.

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Eintracht Frankfurt: Krösche schweigt, Hütter beschwichtigt - ein schlechtes Zeichen
IMAGO/HMB-Media

„Wir sprechen über Fußball“, sagt Markus Krösche nach dem Spiel bei Union Berlin, und als noch einmal nachgefragt wird, bittet der 45-Jährige darum, es „dabei zu belassen“. Wenige Stunden vor dem Anpfiff hatte die Bild-Zeitung getitelt, der Sportvorstand könne Eintracht Frankfurt schon im September verlassen. Wer an so einem Abend die einfachste Frage nicht beantwortet, beantwortet sie halt anders.

Denn genau darin liegt das Problem der Frankfurter Kommunikation: Sie dementiert nicht, sie weicht aus. Und Ausweichen ist im Fußball die lauteste Form der Bestätigung. Ein Sportvorstand, dessen Verhältnis zum Trainer öffentlich in Zweifel gezogen wird, hat an einem solchen Mikrofon genau einen Satz zu sagen – und Krösche sagte ihn nicht.

Adi Hütter, der Trainer, sagte etwas. Nur eben nicht viel: „Nach einem Bundesligaspiel, wo ich mich mehr über das Ergebnis ärgere, möchte ich mich gar nicht dazu äußern. Wir haben ein sehr ordentliches Verhältnis.“ Ein sehr ordentliches Verhältnis – das ist die Vokabel, die man wählt, wenn man ein gutes nicht behaupten will.

Mathias Beck, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender, hat im Kicker die klarste Version geliefert, die diesem Klub zur Verfügung steht. Krösches Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2028, er hat sich vor zwei Monaten klar zur Eintracht bekannt, er ist mit seinem Team „auf der Zielgeraden des Transferfensters“, die Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ist „eine lange geplante turnusmäßige Sitzung“.

Fazit des Präsidenten: „Es besteht also kein Anlass, über die Zukunft von Markus Krösche zu spekulieren.“ Wer so aufzählt, hat eine Faktenlage auf seiner Seite.

Und doch steht im selben Satzblock der Halbsatz, der alles wieder aufreißt: „Berichte zu Markus Krösche werde ich öffentlich nicht kommentieren.“ Ein Präsident, der Anlass verneint und im gleichen Atemzug die Kommentierung verweigert, hat kein Dementi abgegeben, sondern eine Sprachregelung. Dazu passt die Ankündigung, dass es in der Sitzung um „alle Themen des Sommers, auch um die sportlichen“ gehen werde. Wer nichts zu klären hat, muss nicht ankündigen, dass alles auf den Tisch kommt.

Die Vertragslaufzeit trägt in dieser Debatte weniger, als sie soll. Bis 2028 zu unterschreiben heißt nicht, bis 2028 zu bleiben – das ist die Erfahrung jedes Bundesligafans, und ein Bekenntnis von vor zwei Monaten ist im Fußball keine besonders alte Währung, aber auch keine besonders belastbare. Ein Vertrag beschreibt eine Pflicht, kein Vertrauensverhältnis.

Auffällig ist ja, wie lange dieser Zustand schon anhält. Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied halten sich seit längerer Zeit, und die Themen wechseln: die Platzierung in der vergangenen Saison, die Verpflichtung von Trainer Albert Riera, ein Immobilienkauf in Kroatien. Ein Klub, um dessen Sportvorstand sich derart unterschiedliche Berichte sammeln, hat die Deutungshoheit über seine eigene Führungsetage längst abgegeben.

Wiederherstellen ließe sich das mit einem Satz. Nicht mit „wir sprechen über Fußball“, nicht mit „sehr ordentlich“, nicht mit der Weigerung, Berichte zu kommentieren, sondern mit der Ansage, wer bei der Eintracht wie lange welche Aufgabe hat. Diesen Satz hat an diesem Abend niemand gesagt, weder in Berlin noch im kicker.

Ein Klub, der auf der Zielgeraden des Transferfensters seinen Sportvorstand öffentlich nicht bestätigen mag, verhandelt nicht über Spieler: Er verhandelt über sich selbst.

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