Die englischen Schiedsrichter - der Premier League unwürdig
Die Premier League bietet Fußball auf absolutem Spitzenniveau – doch im Videokeller scheitert man an den Grundregeln des Sports.
Das muss man sich einmal vorstellen: Die Premier League ist das funkelndste Schaufenster des Weltfußballs. Ein Milliarden-Zirkus mit den besten Trainern, den teuersten Kadern und der pompösesten TV-Inszenierung des Planeten. Und als eine der ganz wenigen Ligen leistet sie sich den Luxus von professionellen Schiedsrichtern.
Doch was diese wöchentlich auf den Rasen pfeifen und in ihren Videokellern zusammenbrauen, hat mit Professionalität nichts zu tun. Die englischen Unparteiischen und ihr Verband Professional Game Referees (Pro Ref) werden diesem Spitzenanspruch schon lange nicht mehr gerecht.
Den jüngsten Beweis dafür lieferte ausgerechnet das Topspiel der Woche: das Manchester-Derby.
In der 60. Minute ging Manchester City in Unterzahl durch Erling Haaland in Führung. Der Linienrichter hob die Fahne. Kein Vorwurf, es war ein Millimeterentscheidung, die der VAR mit Hilfe der technischen Hilfsmittel korrigierte: Der Norweger stand im Moment des Abspiels hauchdünn nicht im Abseits. Sein Mitspieler, Enzo Fernandez, allerdings schon.
Nach zweiminütigem Hin- und Herspulen war das auch den VAR-Refs Matt Donohue und Blake Antrobus aufgefallen. Immerhin. Blöd nur, dass ihnen dabei eine Grundregel nicht bekannt war, die seit über 20 Jahren existiert und im Kopf jedes Trainers, Spielers und Fans fest verankert ist: Man muss den Ball nicht berühren, um aktiv im Abseits zu stehen. Es reicht, ins Spielgeschehen eingreifen.
Genau das tat Fernandez, als er die Flanke, die Haaland letztendlich verwertete, vergeblich per Flugkopfball attackierte. Er band ManUniteds Verteidiger, lenkte ihn und auch seinen Schlussmann ab. Hätten sie das Tor verhindern können, wenn der Argentinier nicht eingeschritten wäre? Völlig egal. Regel ist Regel.
Stattdessen prüften Donohue und Antrobus aus fünf Blickwinkeln, ob Fernandez den Ball tatsächlich berührte. Das geht aus den veröffentlichten Tonaufnahmen hervor. Keine Berührung? Alles klar, Tor zählt! Sogar der offizielle X-Post, der während dem Spiel vom Verband abgesetzt wird und die Entscheidungsfindung erklärt, um mehr Transparenz zu schaffen, erhielt eine Community-Note. Peinlich.
Wenn selbst Elon Musks zweifelhafte Algorithmen professionellen Schiedsrichtern erklären müssen, was in Artikel 11 des IFAB-Regelwerks steht, hat man wohl den falschen Beruf gewählt.
Um das klarzustellen: Menschen machen Fehler. Es kann vorkommen, dass man etwas übersieht. Dass man etwas anders interpretiert. Und ja: Bei so vielen beteiligten Menschen ist es schwer, eine klare Linie reinzubekommen. Aber dass nicht ein, sondern gleich zwei professionelle Schiedsrichter eine Standardregel nicht beherrschen, ist schlichtweg inakzeptabel.
Zumal dies nicht die einzige Blamage der letzten Jahre ist: Bei Abseitssituationen wurden bereits Spieler übersehen oder Linien falsch gezeichnet. Unvergessen der Tiefpunkt 2023, als Luiz Diaz’ regulärer Treffer für Liverpool gegen Tottenham aufgrund einer vermeintlichen Abseitssituation nicht gegeben wurde. Die VAR-Refs erkannte sofort die Fehlentscheidung und funkte durch: „Check complete!“ – im felsenfesten Glauben, der Schiedsrichter auf dem Rasen hätte auf Tor entschieden. Hatte er aber nicht. „Good process, boys!“, klopften sich die Verantwortlichen noch auf die Schulter, ehe das Spiel fortgesetzt wurde und die Fehlentscheidung unumkehrbar war.
All diese Beispiele zeigen: Der VAR selbst ist daran nicht schuld. Es sind die Menschen, die die Knöpfe bedienen. Da kannst du ihnen noch so viele 4K-Kameras und virtuelle Lineale zur Hand geben: Wenn sie die Regeln des Sports nicht beherrschen, ist der VAR kein technisches Hilfsmittel, sondern ein Vergrößerungsglas für menschliches Versagen. Da hilft es auch nicht, dass PGMOL nun Pro Ref heißt oder am nächsten Tag demütig entschuldigt: Neuer Anstrich, dieselbe Inkompetenz.
Die Premier League hat die Perfektionierung des Sports auf die Spitze getrieben: Taktik, Athletik und Vermarktung bewegen sich auf absolutem Spitzenniveau. An jeder noch so kleinen Stellschraube wird gedreht, um am Ende den entscheidenden Punkt mehr auf dem Konto zu haben. Nur die Schiedsrichter verharren in starrer Selbstgerechtigkeit – und befeuern damit genau das, was der Videobeweis eigentlich abschaffen sollte: Unberechenbarkeit und Ungerechtigkeit.
Ein Premium-Produkt lässt sich nicht mit Amateur-Qualität verwalten. Dazu steht zu viel auf dem Spiel. Es muss etwas passieren. Die Pro Refs sind der Premier League schlichtweg unwürdig.