Der Eiertanz des Bundestrainers

Die Personalie Neuer und ihre Folgen: Julian Nagelsmann wich Moderator Jochen Breyer im ZDF-Sportstudio immer wieder aus, eierte herum und ließ ein ratloses Publikum zurück.

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Der Eiertanz des Bundestrainers
Screenshot ZDF

Man geht auf einen wichtigen Termin, hat aber nichts zu sagen. Dieser denkbar schlechten Voraussetzung sah sich Julian Nagelsmann am Samstagabend bei seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio ausgesetzt. Die Folge: Der Bundestrainer wich Moderator Jochen Breyer immer wieder aus, eierte herum und ließ ein ratloses Publikum zurück. Auf die drängendste Frage, ob Manuel Neuer für die WM wirklich noch einmal ins Tor der Nationalmannschaft zurückkehrt, gab es schließlich keine klare Antwort.

Dabei war die Idee eine andere. Ursprünglich wollte Nagelsmann seinen WM-Kader schon am 12. Mai verkünden. Im TV hätte er die ein oder andere Entscheidung noch einmal begründen und über seine WM-Ziele plaudern können. Es kam anders, das Geheimnis der 26 Namen wird erst am Donnerstag gelüftet.

Bis dahin werden weiter wilde Spekulationen geführt. Das hat sich Nagelsmann selbst zuzuschreiben und anscheinend auch einkalkuliert. Er wird nun in persönlichen Gesprächen seine Spieler über die WM-Pläne informieren. Besonders interessant dürfte der Anruf bei Oliver Baumann werden. Der Hoffenheimer geht weiterhin davon aus, dass er bei der WM die Nummer eins ist.

Kommt es anders, wäre es eine spektakuläre Rolle rückwärts aller Beteiligten und ließe an der Glaubwürdigkeit des Bundestrainers zweifeln. Schließlich hat er mehr als einmal deutlich gemacht, dass er für das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada mit Baumann zwischen den Pfosten plant. Eine Neuer-Rückkehr ließe nur den Schluss zu, dass das Vertrauen in Baumann doch nicht so groß ist wie immer behauptet. Auch bei dem einen oder anderen Spieler dürfte ein Umdenken des Bundestrainers für Verwunderung sorgen.

Ob sich die Erfolgsaussichten der DFB-Auswahl mit Neuer verbessern würden, ist offen. An manchen Tagen verkörpert der Münchner immer noch Weltklasse. Das hat der 40-Jährige zuletzt in der Champions League eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch in der Königsklasse erlaubte sich Neuer auch Patzer, die im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid fast den Erfolg gekostet hätten. Auch in der abgelaufenen Bundesligasaison spielte Neuer alles andere als fehlerfrei.

Neuer ist nach zwölf Jahren und vielen Verletzungen nicht mehr der Überirdische, der er beim WM-Triumph 2014 war. Oder wer stand noch einmal beim Vorrunden-Aus 2018 und 2022 im deutschen Tor?