Der deutsche Fußball braucht Mut, nicht Mertesacker

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über den Neuaufbau der Nationalmannschaft unter Jürgen Klopp

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Der deutsche Fußball braucht Mut, nicht Mertesacker
Foto: Imago / DeFodi

Kaum haben wir das DFB-Trikot beigesetzt, melden sich schon erste Promis zu Wort. Also ich könnte helfen. ... Ich wäre bereit ... Ich habe ja immer gesagt, dass ... Wenn man mich fragen würde ...

Als sei das frühe WM-Aus der Nationalmannschaft eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Ich bin genervt davon, wie sich vor allem Weltmeister von 2014 in Position bringen, um im Windschatten des nächsten Bundestrainers Jürgen Klopp eine neue Karriere zu starten. Sie reden, als sei ihr WM-Studio ein Assessmentcenter des Deutschen Fußball-Bundes.

Ich frage mich, welche Rolle zum Beispiel Bastian Schweinsteiger beim Wiederaufbau des Nationalteams übernehmen sollte. Schweini ist ein toller Fußballer gewesen, sicher, aber er hat in den letzten Jahren ein bisschen für die ARD gearbeitet, in einer Doku Tennis gespielt und eine Fake-Biografie schreiben lassen.

Per Mertesacker, der andere Weltmeister, hat bei seinem Ex-Klub Arsenal Jugendarbeit und ein paar Wochen den Co-Trainer gemacht, er ist also hochgradig unterqualifiziert, wenn es darum geht, einer strauchelnden Fußballnation einen Herzschrittmacher einzusetzen.

Aber ZDF-Experte Mertesacker flirtet öffentlich – wie Schweini (der besonders perfide: er werde sich "nicht drücken") – mit dem Job des Sportdirektors, der gar nicht ausgeschrieben ist. Wie peinlich, dabei könnte man das doch per Telefon klären. Ich gehe davon aus, dass beide Rudi Völlers Nummer haben, andernfalls könnte ich sie ihnen geben.

Mertesacker hat übrigens alles getoppt. Er besaß auch noch die Frechheit zu sagen: Ich helfe gern – aber nach der WM mach' ich erst mal Urlaub.

Genau die Einstellung, die uns gefehlt hat.

Mich erinnert das an einen titelbeladenen Fußballer, der mir am Ende seiner Laufbahn in der Werbepause einer Fußballtalkshow, in der wir zusammensaßen, seine Karriereplanung darlegte: "Trainer ist mir zu viel Arbeit, Sportdirektor würde ich machen."

Der deutsche Fußball darf aber nicht Erfolge aus vergangener Zeit als Maßstab nehmen; sonst müsste Mario Basler neuer Co-Trainer Standards und David Odonkor Sprintdirektor werden.

Wir brauchen Experten, die was auf dem Kasten haben, und keine Ex-Nationalspieler. Wir brauchen Mut und keinen Mertesacker.

Doch ich bin mir sicher, dass in den nächsten Tagen weitere Profis von früher ihren Hut in den Ring werfen werden. Mesut Özil könnte sich für den Posten des Diversity Managers beim DFB ins Spiel bringen.

Ich bewundere in diesem Zusammenhang Weltmeister Philipp Lahm. Der Mann ist Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2014 und hat vorige Woche zu dem Thema etwas besonders Schlaues gesagt: Das sei nix für ihn.

PS: Falls jemandem diese Kolumne gefallen hat – ich stehe nicht für den Posten des DFB-Mediendirektors zur Verfügung. Das heißt, eigentlich schon, aber bitte maximal zehn Stunden die Woche und im Home Office.


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