Demichelis rechnet sich das Muster schön

Zwei klare Pleiten in Serie sind kein Beleg für einen Weg. Bei RB wechseln sich Sieg und Niederlage ab, und das Alibi wird dünn.

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RB Leipzig s coach Martin Demichelis during Champions League 2026 2027, League phase, Matchday 3 match. October 21, 2026 (20261021810)
Foto: IMAGO/Alterphotos

Im Bauch des Estadio Santiago Bernabéu stand Martín Demichelis und suchte nach den richtigen Worten für ein 1:4. Der Trainer von RB Leipzig wollte diese Niederlage bei Real Madrid auf keinen Fall in eine Reihe mit dem 1:6 beim FC Bayern stellen. Die Mannschaft habe „ein anderes Bild von sich gezeigt“, sagte der Argentinier bei DAZN. Zufrieden sei er natürlich nicht, aber verglichen mit der Klatsche in München sei „die Mannschaft eine ganz andere“ gewesen.

So klingt einer, der eine Pleite in einen Fortschritt umdeutet. Dabei steht am Ende dieselbe Rechnung wie in München: zwei deutliche Niederlagen in Serie, das 1:6 dort, das 1:4 hier. Was Demichelis als Entwicklung verkauft, ist in Wahrheit ein Muster – und Muster lassen sich nicht wegreden.

Dass Leipzig in Madrid in der ersten Halbzeit mithielt und sogar hätte in Führung gehen können, spricht tatsächlich für die Mannschaft. Hier war kein Debakel wie beim FC Bayern, hier war eine Phase auf Augenhöhe mit dem Gegner aus der spanischen Hauptstadt. Das trennt den Auftritt vom Abend in München.

Nur hält diese erste Halbzeit dem zweiten Durchgang nicht stand. Die vergebenen Chancen trafen auf defensive Nachlässigkeiten, und aus der Augenhöhe wurde ein 1:4. Eine gute erste Hälfte, die in ein deutliches Ergebnis kippt, ist am Ende keine halbe Sache, sie ist eine ganze Niederlage. Die Tabelle fragt nicht nach dem ersten Durchgang.

Und die Tabelle ist das, worauf es ankommt. Mit drei Punkten steht Leipzig nach drei Spielen der Ligaphase auf Rang 29. Für die Playoffs braucht es mindestens Platz 24. Am 4. November kommt Manchester City in die Red Bull Arena, und schon jetzt steht RB dort unter Zugzwang. Die zweite Niederlage im dritten Spiel lässt wenig Spielraum.

Das eigentliche Problem liegt tiefer, nämlich in der Liga. An den bisherigen sechs Bundesliga-Spieltagen wechselten sich bei RB stets Sieg und Niederlage ab. Ein Team, das nie zwei gute Spiele hintereinander hinbekommt, hat kein Form-, sondern ein Grundlagenproblem. Genau dieses Schwanken macht die Beruhigungsformeln vom „anderen Bild“ hohl.

Demichelis weiß das selbst. „Ich glaube, wir werden den richtigen Weg finden“, sagte der 45-Jährige, Kopf nach vorne, positiv zusammenarbeiten. Doch ein Weg zeigt sich an Konstanz, und die fehlt seit sechs Spieltagen. Der Trainer braucht nun dringend Erfolge in Serie, auch um keine Diskussion um seine Person aufkommen zu lassen.

Dafür ist der Spielplan freundlich. Am Samstag kommt der SV Elversberg, dann geht es im DFB-Pokal zu Rot-Weiß Essen, danach in der Liga zu Schalke 04, später gegen Augsburg und Union Berlin. Bis auf City sind das für eine Mannschaft vom Kaliber RB Leipzigs allesamt Pflichtsiege. Wer hier schwankt, bei dem liegt es nicht am Gegner.

Demichelis hat recht, dass der Bernabéu-Abend nicht der von München war. Nur stützt das seinen Fall nicht. Zwei klare Pleiten hintereinander belegen keinen Weg, sie belegen, dass die Richtung noch gar keine ist.