Das Lagerfeuer brennt doch noch: TV-Quoten widerlegen das Krisengerede

18,26 Millionen sahen den Sieg gegen die Elfenbeinküste. Auch die Jüngeren sind dabei. Das Interesse war nie weg, es ruhte nur.

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Das Lagerfeuer brennt doch noch: TV-Quoten widerlegen das Krisengerede
IMAGO/Eibner

Man kann sich an diesen Zahlen nicht sattsehen, wenn man die Debatten der vergangenen Jahre verfolgt hat. 18,26 Millionen Menschen schalteten am Samstagabend das ZDF ein, um den 2:1-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste zu sehen. Der Marktanteil lag bei 72,1 Prozent. Drei von vier Fernsehern, die in diesen Stunden liefen, zeigten dieses Spiel. Livestreams und die Reichweite bei MagentaTV, wo die Partie ebenfalls übertragen wurde, sind in dieser Rechnung noch gar nicht enthalten.

Es lohnt sich, die Zahl in Ruhe zu betrachten, weil sie der Erzählung widerspricht, die sich in den letzten Jahren verfestigt hatte. Die Nationalmannschaft, hieß es, habe ihren Status verloren. Sie sei den Menschen fremd geworden, das Lagerfeuer ausgegangen, das Publikum abgewandert zu Streaming, Klubfußball, anderen Sportarten. Manches davon stimmt sogar im Detail. Und doch zeigt eine Quote wie diese, dass die Verabredung zum gemeinsamen Zuschauen weiter funktioniert, sobald das DFB-Team auf dem Platz steht.

Noch eindrucksvoller war der Auftakt gegen Curacao. 23,43 Millionen Menschen sahen den 7:1-Sieg in der ARD, allerdings mit einem drei Stunden früheren Anpfiff. Auch das ist eine Größenordnung, die im deutschen Fernsehen kaum eine andere Veranstaltung erreicht. Wer in den vergangenen Wochen über die Lage des Fußballs gestritten hat, über Spielsysteme, über Personalien, über die Frage, wie nahbar diese Mannschaft ist, sollte diese Zahlen mitdenken. Das Interesse ist nicht weg. Es ruht nur zwischen den Turnieren.

Bemerkenswert ist auch der Wert in der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen. 5,98 Millionen Zuschauer in diesem Segment, ein Marktanteil von 78,5 Prozent. Genau hier wurde dem Fußball seit Jahren prophezeit, er verliere den Anschluss, junge Menschen schauten lieber Highlights auf dem Telefon, hörten Podcasts, drehten dem linearen Fernsehen ohnehin den Rücken. An einem Samstagabend mit einem WM-Spiel der deutschen Mannschaft gilt das offenbar nicht. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Bindung an dieses Team älter ist als die Krisendiagnosen, die man darüber gelegt hat.

Natürlich relativiert sich vieles, wenn man den Maßstab anlegt, den die Nationalmannschaft selbst gesetzt hat. Den Quotenrekord hält weiterhin das WM-Finale 2014 gegen Argentinien. 34,65 Millionen Menschen sahen damals zu, der Marktanteil lag bei 86,3 Prozent. So viele haben in Deutschland nie zuvor zeitgleich eine Sendung verfolgt. Diese Zahl ist eine Marke aus einer anderen sportlichen Epoche, und sie wird in einer Vorrundenphase ohnehin nie zu erreichen sein. Sie taugt nicht als Vergleich, sondern höchstens als Erinnerung daran, was möglich ist, wenn ein Turnier seine Dynamik entfaltet.

Was bleibt, ist eine schlichte Beobachtung. ZDF und ARD übertragen bei dieser WM in den USA, Mexiko und Kanada zusammen 60 von 104 Spielen, bei MagentaTV ist jede Partie live zu sehen. Das Angebot ist groß, die Aufmerksamkeit verteilt sich. Trotzdem versammelt ein Spiel der deutschen Mannschaft ein Millionenpublikum, das in dieser Form sonst kaum eine Veranstaltung in Deutschland erreicht. Man muss daraus keine Versöhnungsgeschichte machen. Aber man darf festhalten, dass die Nationalmannschaft als gemeinsamer Bezugspunkt funktioniert, sobald sie wieder spielt. Das ist mehr, als ihr zwischenzeitlich zugetraut wurde.