Das 2:0 ist ein Warnschuss für Kimmich – es geht auch ohne ihn

Der Kapitän bat Bundestrainer Klopp um Verbleib und musste heim. Dann gewann die zweite Elf – mit Pavlović auf genau der Position, die für ihn vorgesehen war.

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27.09.2026, xemx, Fussball UEFA Nations League, Deutschland - Griechenland v.l. Joshua Kimmich (Deutsche Fussball Nationalmannschaft DFB) Bundestrainer Trainer Juergen Jürgen Klopp (Deutsche
Foto: IMAGO/Jan Huebner

„Ich hatte bis zuletzt gehofft, zu bleiben – und wäre natürlich gerne geblieben“, sagte Joshua Kimmich nach dem 0:1 gegen Griechenland in Augsburg. Der Kapitän der Nationalmannschaft schob noch hinterher, er verstehe ja, „dass der Trainer einfach auch andere Jungs kennenlernen möchte“. Was wohl so viel heißen sollte wie: Ich trage das mit, ich mache keinen Ärger. Nur sprach da einer, der sehr genau ahnte, was passiert, wenn die anderen Jungs gut sind.

Bundestrainer Jürgen Klopp hat sich davon nicht erweichen lassen. Kimmich habe „tatsächlich noch ein paar Mal nachgefragt“, erzählte er am Donnerstag im BR und legte nach: „Je öfter man fragt, desto weniger wahrscheinlich bekommt man das, was man will.“ Dann noch ein Scherz hinterher: „Und deshalb hat Familie Kimmich jetzt Familienurlaub. Ich hoffe, er macht den auch.“ Der Kapitän hatte da längst angekündigt, es gehe nicht weit weg, „weil die Kinder in die Schule gehen“.

Man kann Klopp glauben, dass das alles keine Strafe war. Die zwei Kader standen von vornherein fest, Kimmich kannte den Plan, und sogar Lothar Matthäus, der die Abreise des Kapitäns kritisiert hat, ist mit den zwei Kadern ausdrücklich „einverstanden“. Wer 44 Spieler kennenlernen will, kann die Hälfte davon nicht auf der Tribüne parken. Aber am Donnerstagabend in München ist etwas passiert, das so nicht im Plan stand. Das 2:0 gegen Serbien ist ja ein Warnschuss für Kimmich – es geht auch ohne ihn.

Ausgerechnet auf seiner Position. Klopp sieht Kimmich im Zentrum, als festen Punkt vor der Abwehr in seinem 4-3-3, so hat er es bei der Nominierung gesagt. Gegen Serbien stand dort Aleksandar Pavlović, und zwar allein. Beim FC Bayern bilden die beiden eine Doppelsechs; in München hat der 22-Jährige jetzt vorgeführt, dass er die Rolle auch ohne den Nebenmann trägt: Er verteilte die Bälle mit Übersicht, tauchte mehrmals im Strafraum auf und räumte hinten weg, was liegen blieb.

Und den Ton auf dem Platz gab Florian Wirtz an. Serge Gnabry trug in der ersten Halbzeit die Binde, nach der Pause übernahm sie der Mittelfeldspieler des FC Liverpool. Seinen Pfostenschuss verwertete Tom Bischof in der 39. Minute zum 1:0, das 2:0 in der 61. Minute schoss Wirtz selbst. Mit Kimmich hatte die erste Gruppe ein 1:1 in Amsterdam und das 0:1 in Augsburg geholt. Den ersten Sieg unter Klopp holte die Gruppe ohne ihn, und das sieht jeder im Kader.

Matthäus hält dagegen, und sein Argument wiegt: Der Kapitän sei „der Spieler, der neben dem Trainer mitverantwortlich ist für die Mannschaft“, schrieb er in seiner Sky-Kolumne, und er hätte Kimmich bei allen vier Spielen im Kader gelassen, „damit die Neulinge auch ihn kennenlernen“. Dazu kommt der Gegner: Serbien steht in der Gruppe ohne einen einzigen Punkt da. Ein Sieg gegen den Tabellenletzten widerlegt keinen Kapitän.

Das muss er auch nicht. Die Binde ist dabei Kimmichs kleinstes Problem, die trägt in Klopps Mannschaft ohnehin, wer die meisten Länderspiele hat. Wackeln kann sein Platz in der Startelf. Kimmich ist 31, Pavlović 22, Bischof 21 – und bisher war er auch deshalb gesetzt, weil nie jemand zeigen musste, ob es ohne ihn geht. Diesen Nachweis hat Klopp jetzt selbst bestellt.

„Ich wollte ihm keine Message senden!“, hat der Bundestrainer im ZDF noch klargestellt. „Alle Messages werden ab jetzt direkt gesendet und nicht über euch.“ Das mag für seine Worte gelten. Die Botschaft des Donnerstags kam trotzdem bei Kimmich an, und die hat Pavlović geschickt.

Am Sonntag um 20.45 Uhr spielt die zweite Gruppe in Thessaloniki beim Gruppenersten Griechenland, RTL überträgt. Die Griechen führen mit sieben Punkten vor den Niederlanden mit fünf, Deutschland hat vier. Gewinnt die Mannschaft ohne Kimmich auch dort, hat Klopp im November eine echte Wahl. Kimmich sitzt dann zu Hause, nicht weit weg, die Kinder gehen ja zur Schule.

Um seinen Platz zu bitten, hilft ihm nach diesem Donnerstag nichts mehr. Er muss ihn sich zurückholen.