Cristiano Ronaldos dunkle Woche endet mit einem Rekord, den keiner hat

Zwischen Karriereende-Gefühl und Doppelpack gegen Usbekistan: Wie der 41-Jährige Zweifel in Geschichte verwandelt – und nebenbei von Messi traeumt.

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Cristiano Ronaldos dunkle Woche endet mit einem Rekord, den keiner hat
IMAGO/Bildbyran

Eine harte Woche, eine dunkle Woche – Cristiano Ronaldo hat selten so offen gesprochen wie nach diesem 5:0 gegen Usbekistan. „Ich fühlte mich, als hätte ich meine Fußballkarriere bereits beendet", sagte der 41-Jährige, und das ist für einen Mann, der seit 23 Jahren von sich selbst als Maßstab spricht, eine bemerkenswerte Zeile. Sie ist auch deshalb interessant, weil sie zwischen zwei Toren steht: dem in der 6. und dem in der 39. Minute. Wer am Donnerstag noch zu alt war, war am späteren Spieltag wieder Rekordhalter. So funktioniert die Erzählung Ronaldo, und sie funktioniert offenbar weiter.

Der Auftakt gegen die DR Kongo war ein 1:1, und in den Tagen danach prasselte einiges auf den Kapitän ein. Es ist die übliche Mechanik: Wenn es läuft, läuft es; wenn es stockt, ist er zu alt. Ronaldo hat das selbst so beschrieben, und man muss ihm zugestehen, dass er den Kreislauf inzwischen besser kennt als seine Kritiker. „Ich habe durchgehalten, wie immer, weil ich an harte Arbeit glaube", sagte er. Das ist kein neuer Satz, aber er passt jedes Mal, wenn er ihn braucht.

Das Sportliche an diesem Abend ist schnell erzählt, und es ist trotzdem historisch. Mit seinen WM-Toren neun und zehn zog Ronaldo an Eusebio vorbei und ist nun Portugals Rekordtorschütze auf der größten Bühne. Hinzu kommt eine Marke, die ohne Vorbild ist: Er ist der erste Spieler, der bei sechs verschiedenen WM-Turnieren getroffen hat. Sechs Turniere – das ist keine Statistik mehr, das ist eine Biografie. Und sie verträgt sich erstaunlich gut mit dem Eingeständnis aus derselben Pressezone, sich zwischendurch wie ein Karriereende angefühlt zu haben.

Der fünfmalige Weltfußballer ordnete den Abend selbst nüchtern ein. „Es ist immer toll, Rekorde zu brechen, aber das Wichtigste ist, der Nationalmannschaft zu helfen, ihre Ziele zu erreichen", sagte er. Mit vier Punkten sei das Weiterkommen aus seiner Sicht erreicht, und auch das ist eine Lesart, die sich anbietet. Im Gruppenfinale geht es nun gegen Kolumbien um den Gruppensieg. Dass eine Mannschaft, die so spielt wie an diesem Abend, zu stoppen sei, halte er für schwierig, fügte er an. Man kann das für selbstbewusst halten, man kann es auch für die einzig konsequente Haltung nach 5:0 halten.

Die spannendste Frage liegt jenseits des Gruppenfinales. Bei einem Gruppensieg könnte im Viertelfinale Argentinien warten, und damit Lionel Messi. Ronaldo wurde danach gefragt, und seine Antwort war ungewöhnlich kurz: „Nun, ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll. Schön … das wäre toll." Das ist, in der Ökonomie seiner Zitate, beinahe ein Geständnis. Erst danach schob er den Pflichtsatz nach, jetzt habe es darum gehen müssen, die nächste Runde zu erreichen.

Bleibt die Einordnung der Woche. Ronaldo hat sie selbst geliefert, und zwar präziser, als es jede Außenbetrachtung könnte: hart, dunkel, dann zwei Tore, dann ein Rekord, der so vor ihm niemandem gelungen ist. Dass er sich zwischenzeitlich am Karriereende wähnte, gehört zu diesem Abend dazu wie der Doppelpack. Es ist dieser Wechsel zwischen Zweifel und Bestätigung, der ihn mit 41 weiter im Turnier hält. Solange er die Antworten selbst auf den Platz legt, wird die nächste dunkle Woche kommen – und vermutlich auch die nächste Erwiderung.