BVB-Boss im Doppelpass - aber der eigene Sponsor schaltet Sport1 ab

Der Kabelnetzbetreiber bezahlt Borussia Dortmund dafür, gesehen zu werden. Am Clasico-Wochenende zeigt Vodafone im Kabelnetz seinen Kunden stattdessen eine Texttafel und bittet um Verständnis.

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Fernseher mit der Vodafone-Tafel anstelle von Sport1
Foto: Fever Pit'ch

„Diesen Sender kannst Du bei uns leider nicht mehr empfangen. Danke für Dein Verständnis.“ Mehr erfährt seit Freitag nicht, wer im Kabelnetz von Vodafone auf den Programmplatz von Sport1 schaltet. Die Tafel steht dort in SD und in HD, und sie bittet um Verständnis für etwas, das Vodafone gar nicht erklären will. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir diese Maßnahme aktuell nicht kommentieren“, ließ das Unternehmen den Mediendienst DWDL wissen. Ein Hinweis auf den kostenlosen Livestream von Sport1 steht übrigens nicht auf der Tafel.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Am Sonntag um 11 Uhr sitzt im Doppelpass, der wichtigsten Sendung von Sport1, ein Gast, an dem Vodafone ein eigenes Interesse haben müsste: Carsten Cramer, seit September Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund. Er kommt direkt vom Klassiker beim FC Bayern am Samstagabend, und er wird erklären müssen, was in München passiert ist.

Denn auf der Brust der Dortmunder Spieler steht seit der vergangenen Saison: Vodafone. Laut Ruhr Nachrichten und Bild zahlt der Konzern dafür mindestens 30 Millionen Euro pro Saison, der Vertrag läuft bis mindestens 2030. Vodafone sponsert also den BVB – und blendet dessen Chef aus, ausgerechnet in den knapp neun Millionen Haushalten, die das eigene Kabelnetz versorgt.

Nun ist ein Kabelnetzbetreiber kein Wohlfahrtsverband. Vodafone darf entscheiden, welche Sender es einspeist, und Sport1 steht wirtschaftlich unter Druck: Laut Geschäftsbericht der Muttergesellschaft Highlight Communications waren Ende 2025 Verbindlichkeiten aus Lizenzgeschäften über 57,5 Millionen Euro fällig, die aus der Sport1 Medien GmbH stammten. Auch der Einstieg des türkischen Medienunternehmens Acunmedya, das 2024 für 30 Millionen Euro die Hälfte der Sport1 GmbH übernahm, hat die Wende bisher nicht gebracht. Ob die Abschaltung damit zusammenhängt, sagt keiner der Beteiligten. Sport1 lässt nur ausrichten, man arbeite „intensiv an einer Lösung“ und gehe davon aus, „dass Sport1 sehr bald über Vodafone wieder empfangbar sein wird“.

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Absicht wird Vodafone deshalb niemand unterstellen. Einspeisung ist Netzgeschäft, das Trikot ist Werbung, und das Logo soll in der Bundesliga-Übertragung wirken, nicht in einer Sonntagstalkshow. Wer Cramer hören will, findet den Doppelpass im Livestream auf Sport1.de und in der App, frei und ohne Kabel. Der Schaden für die Marke ist also klein, rechnerisch jedenfalls.

Nur trennt der Fan nicht nach Kassen. Für ihn ist Vodafone eine Marke, und die hat sich an den BVB gehängt, um dort vorzukommen, wo über Fußball geredet wird. Cramer selbst hat das Prinzip im Sommer 2024, vor der Asienreise des BVB, auf eine Formel gebracht: „Das Monetäre ist das eine, das Markenbildende das andere.“ Am Sonntag laufen bei Vodafone beide Hälften gegeneinander. Das Netz setzt das Monetäre durch, das Markenbildende sitzt im Studio, und die eigenen Kunden sehen es nicht.

Vodafone bezahlt also Millionen dafür, mit dem BVB gesehen zu werden, und lässt den Chef dieses Klubs nach dem Klassiker im eigenen Netz ins Leere reden. Das Einzige, was der Konzern seinen Kunden dazu sagt, steht auf der Tafel: Danke für Dein Verständnis.