Basler über Sané: Talent für Galatasaray-Geld verschleudert

Der Ex-Nationalspieler wirft dem Bayern-Abgänger Gier vor – und dem BVB fehlenden Mut: Dortmund müsse jedes Jahr den Titel fordern.

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LISBON, PORTUGAL - SEPTEMBER 9: Leroy Sané of Galatasaray A S controls the ball during the UEFA Champions League 2026 27 League Phase MD1 match between Sporting Club de Portugal and Galatasa
Foto: IMAGO/Sports Press Photo

Ein Superstar war Leroy Sané in Istanbul nach Mario Baslers Lesart genau einmal: bei der Ankunft. „Der Superstar war er beim Empfang am Flughafen – und danach war davon nicht mehr viel zu sehen“, sagt der frühere Nationalspieler in der neuen Folge seines Podcasts „Basler ballert“. Den Wechsel zu Galatasaray Istanbul hält er für eine Entscheidung des Kontos, nicht der Karriere.

Sein Urteil fällt entsprechend hart aus: „Er ist doch nur dahin gegangen wegen Geld. Es scheint ja so. Er ist einfach nicht so gut, wie er gemacht wird.“ Und dann legt er nach: „Der hat ein Talent gehabt, das hat er verschleudert.“ Mitleid hat Basler keins, schon gar nicht mit Blick auf das Gehalt: „Seine 15 Millionen wird er bekommen. Dann soll er sich eben auf die Bank setzen.“

Für Sané spricht ausgerechnet ein Satz, den Basler selbst gegen ihn wendet. „Wenn er wirklich so gut wäre, hätten Manchester City und Bayern München ihn nicht gehen lassen“, sagt er. Wer bei zwei Topklubs nicht dauerhaft überzeugen konnte, sucht sich halt einen Klub, der ihn haben will – das kann Gier sein, es kann aber auch eine nüchterne Selbsteinschätzung sein. Basler lässt das nicht gelten, weil Sané andere Angebote gehabt habe: „Ihm ging es ums Geld und um den einfachen Weg.“ Sein schärfster Beleg ist die Prognose, dass Sané „da wahrscheinlich weiterhin auf der Bank sitzen“ wird.

Mindestens so deutlich wird Basler bei Borussia Dortmund. Dem BVB traut er nach dem Unentschieden gegen Bayern München zu, oben dranzubleiben – ihm fehlt nur die Ansage: „Ich finde, als Borussia Dortmund musst du jedes Jahr in die Saison gehen und sagen: Ich will Meister werden. Das machen sie nie. Alle haben Angst vor Bayern München.“ Der Kontrast zu München ist für ihn der Kern: „Und die Dortmunder sind am Schluss zufrieden, wenn sie die Champions-League-Qualifikation schaffen. Das kann nicht der Anspruch von Borussia Dortmund sein.“ Das ist ein Vorwurf an die Mentalität, nicht an den Kader, und damit der unangenehmere.

Das Topspiel selbst sah Basler bei den Münchnern: „Bayern hätte den Sieg verdient gehabt. Da gibt es für mich keine Diskussion. Sie hatten die Chancen und haben viermal Aluminium getroffen.“ Trotzdem stört ihn das Tempo im Zentrum mit Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic: „Wenn Pavlovic und Kimmich zusammen auf der Sechs und auf der Acht spielen, ist mir der Fußball einfach zu langsam.“ Die Alternative nennt er gleich mit: „Wenn Bischof im Mittelfeld spielt, geht es schneller nach vorne.“ Gemeint ist Tom Bischof.

Für Konrad Laimer hat Basler ein Lob mit Widerhaken: „Wenn Konny Laimer jetzt noch richtig gut Fußball spielen könnte, wäre er wahrscheinlich ein Kandidat für den Ballon d'Or.“ Der Goldene Ball also. Ernst gemeint ist der Rest: „Der rennt jedes Loch zu und kann notfalls sogar links hinten spielen.“

Beim Bayern-Talent Lennart Karl sieht Basler im Champions-League-Spiel gegen Atlético Madrid den ersten echten Test. „Da kann er nicht einfach einen Übersteiger machen wie im DFB-Pokal“, warnt er und wird grundsätzlich: „Er ist manchmal schon sehr arrogant in seiner Spielweise.“ Weil vorne einige Spieler ausfallen, rechnet Basler damit, dass Karl in den nächsten Wochen öfter spielen muss – die Bühne bekommt er also, bestehen muss er auf ihr selbst.

Werder Bremen dagegen erlebt Basler im Aufwind, nach dem 2:2 in Dortmund und der Aufholjagd nach einem 0:2 im Pokal. „Daniel Thioune ist ein toller Trainer“, sagt er über den Werder-Coach, und die Frage nach den internationalen Plätzen stellt er selbst: „Warum soll Werder Bremen nicht eine Überraschungsmannschaft werden?“ Dass ihm dabei das 5:3 gegen den RSC Anderlecht nach einem 0:3-Pausenrückstand einfällt, bei dem er selbst für Bremen auf dem Platz stand, passt ins Bild: Comeback ist an der Weser offenbar Tradition.

Schalke 04 bekommt den nüchternsten Rat. „Sie müssen im Winter dringend etwas in der Offensive machen. Sonst werden sie wahrscheinlich wieder durchgereicht“, sagt Basler und rechnet vor: „Was ist teurer? Sich Geld zu leihen oder einen Abstieg zu riskieren?“ Freude bereiten ihm dafür Rot-Weiss Essen und Drittliga-Tabellenführer Viktoria Köln, dem er allerdings erst noch zutraut, den Lauf über eine ganze Saison zu halten.

Bleiben die Tipps für die Champions League. Bayern sieht Basler in Madrid verlieren, „Mein Tipp bleibt trotzdem: 3:1 für Atlético“, für Dortmund hofft er auf ein 2:1. Und den VfB Stuttgart sieht er mit 2:1 in Istanbul gewinnen – gegen Galatasaray, also gegen den Klub, für den Sané nach Baslers Urteil sein Talent gegen Geld getauscht hat.