Basler schreibt Gladbach ab – und zerlegt Bayerns Rotation
Der Europameister rechnet vor, warum er nicht an den Klassenerhalt glaubt, und sucht bei Lennart Karl vergeblich den Superstar.
Mario Basler hat nachgerechnet, und für Borussia Mönchengladbach geht die Rechnung nicht auf. „Man muss sich ja mal vorstellen: Man hat sieben Spiele gespielt, 21 Punkte sind weg. Jetzt hat man noch 27 Spiele. Man braucht 34 Punkte, um eine kleine Chance zu haben, in der Liga zu bleiben. Wie willst du 34 Punkte holen?“, fragt der Europameister in der neuen Folge seines Podcasts „Basler ballert“.
Die Antwort steckt schon in der Frage: Basler glaubt nicht mehr an den Klassenerhalt. „Gladbach wird eine ganz, ganz bittere Saison erleben, glaube ich“, sagt er. 34 Punkte aus 27 Partien verlangen einen Schnitt von gut 1,25 Punkten pro Spiel, und zwar ab sofort und bis zum letzten Spieltag. Das ist kein Abgesang aus der Distanz, das ist ein Urteil mit Taschenrechner – und es ist nicht das einzige in dieser Folge, das ohne Hintertür auskommt.
Denn auch beim FC Bayern und bei Borussia Dortmund wird Basler grundsätzlich. Die vielen Wechsel der beiden Klubs in der Champions League hält er für ein falsches Signal. „Ich finde halt immer, diese Spiele musst du mit voller Kapelle angehen“, sagt er. Seine Begründung ist eine schlichte Minutenrechnung: „Wenn du sagst Belastungssteuerung, sorry, wenn du dann die Spieler 45 Minuten auf die Bank setzt, haben sie jetzt 45 Minuten mehr Pause. Macht gar keinen Sinn.“
Die Trainer haben dabei ein ernsthaftes Argument auf ihrer Seite, und Basler wischt es nicht weg: Die Belastung ist hoch, und wer seine Spieler schont, schützt sein wichtigstes Kapital. Er kann das ausdrücklich nachvollziehen. Nur zweifelt er an der Konsequenz, die daraus gezogen wird. „Wenn du dann in Rückstand gerätst, musst du auch reagieren. Dann musst du auf einmal nach 45 Minuten viermal wechseln. Und dann haben die Spieler auch keine Belastungssteuerung. Die 45 Minuten haben ja nichts gebracht.“
Damit trifft Basler den wunden Punkt der Rotation: Sie spart nur Kraft, solange das Spiel nach Plan läuft. Sein Gegenmodell ist entsprechend simpel: „Fang an mit voller Kapelle, guck, dass du in Führung gehst mit ein, zwei Toren, und wechsel dann.“ Auch den Kunstrasen lässt er als Erklärung für ein Unentschieden nicht gelten. „Ich finde sogar, der Kunstrasen ist zum Fußballspielen noch besser. Da gibt es kein Loch, da kannst du richtig kombinieren“, sagt Basler. Von den deutschen Topklubs erwartet er in der Königsklasse einen Auftritt, der ihrer Qualität gerecht wird.
Noch deutlicher wird der frühere Nationalspieler bei Lennart Karl. Das Talent des jungen Bayern-Spielers erkennt er an, die Erwartungen an ihn nicht. „Und dann reden wir von einem Superstar. Ich weiß nicht, wo der Superstar ist. Also ich habe ihn noch nicht gesehen. Ich habe ein Talent gesehen, ja“, sagt Basler. Seine Prognose ist so konkret, dass man sie am Saisonende nachzählen kann: „Er wird ja seine Einsätze kriegen, aber ich sage, wird wahrscheinlich keine 15 Spiele in der Bundesliga von Anfang an machen.“
Selbst der Star bekommt beim Rekordmeister eine Ansage. Über das Verhalten von Michael Olise sagt Basler: „Er ist ein Weltklassespieler, da brauchen wir nicht drüber diskutieren. Aber du darfst halt nicht glauben, dass du dir alles erlauben kannst. Die Zeiten sind vorbei.“ Noch härter trifft es RB Leipzig für die Niederlage beim FC Bayern: „Das war unterirdisch, was die Leipziger da gespielt haben. Das war ja ohne Zweikampf, das war ja Spalierstehen.“
Bei Eintracht Frankfurt dagegen urteilt Basler mit angezogener Handbremse – und das ist hier seine Stärke. Die überraschende Trennung von Sportvorstand Markus Krösche kann er schwer nachvollziehen, benennt aber die Grenze seines Blicks: „Es gibt bestimmt Dinge, die wir vielleicht auch nicht wissen. Man weiß ja nicht, was da noch intern mehr passiert ist.“ Was er dagegen weiß, zählt er auf: „Ob du vier Jahre vorher die Europa-League gewinnst, du Spieler verkaufst für 400 Millionen, einen Verein komplett sanierst, das interessiert dann nicht.“
Gerade weil er die Lücke offen zugibt, wiegt sein Verdacht. Mit einem schwachen Saisonstart allein erklärt Basler den Abschied nicht: „Da müssen ja andere Dinge passiert sein. Das kann ja nicht sein, dass man einfach von sich aus dann mal ganz schnell über Nacht sagt: So, ich habe jetzt keine Lust mehr, ich höre jetzt auf oder sonst irgendwas.“ Die Eintracht schuldet ihren Fans damit eine Erklärung, die über ein paar verpatzte Spieltage hinausgeht.
Borussia Dortmund kommt nach den Auftritten gegen Bodø/Glimt, Werder Bremen und Union Berlin nicht besser weg. „Dortmund war, muss man sagen, nichts. Das ist eines Tabellenführers nicht würdig. Wenn du als Borussia Dortmund nach Union fährst und da ein bisschen rumgurkelst, dann musst du dich am Schluss nicht wundern, wenn du nur 0:0 spielst“, sagt Basler. Lob gibt es in dieser Folge ausgerechnet für einen Klub, der schwach gestartet war: den Hamburger SV. „Im Moment muss ich sagen: Hut ab. Polzin hat seine Mannschaft in den Griff gekriegt“, sagt er über den Trainer der Hamburger.
Bayern, Dortmund und Frankfurt lässt Basler damit Raum für eine Antwort auf dem Platz. Gladbach dagegen hat er nach sieben Spieltagen abgeschrieben – mit einem „glaube ich“ als einzigem Notausgang.