Australiens mutige Ansage: Endlich ein K.o.-Spiel gewinnen

Drei WM-Vorrunden überstanden, dreimal war Schluss. In Dallas formulieren die Socceroos selbst den Anspruch, der bisher fehlte.

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Australiens mutige Ansage: Endlich ein K.o.-Spiel gewinnen
IMAGO/Uk Sports Pics Ltd

Jackson Irvine strahlte in Santa Clara, ließ den Blick über die Ränge schweifen, sah seine Fans feiern und brachte sein Empfinden auf ein einziges Wort: "Unglaublich." Es ist die Art Moment, in der ein Spieler nicht nach Worten sucht, sondern nach Luft. Australien hat zum dritten Mal eine WM-Vorrunde überstanden, und allein das ist eine Geschichte, die in Down Under erzählt werden wird. Doch Irvine, einer, der seine Mannschaft anführt, hat schon weitergedacht, als die Pfiffe nach dem 0:0 gegen Paraguay verklungen waren.

Die Ausgangslage ist klar, fast schon nüchtern: Platz zwei in Gruppe D, das Sechzehntelfinale am kommenden Freitag in Dallas, Gegner wird der Zweite der Gruppe G. Einem der ganz großen Namen geht Australien damit aus dem Weg, und das ist mehr als ein statistisches Detail. Es ist eine Einladung, die jede Mannschaft, die ihren Anspruch ernst nimmt, annehmen muss. Bislang war für die Socceroos nach der Gruppenphase jedes Mal Schluss. Drei Anläufe, drei Mal die Hand schon an der Tür, drei Mal kam keiner mehr durch.

Genau darum klingt Irvines Satz auch nicht wie ein PR-Slogan, sondern wie ein Auftrag: "Jetzt müssen wir etwas schaffen, was kein australisches Team je geschafft hat: ein K.o.-Spiel bei einer WM gewinnen." Das ist eine sportliche Ansage, kein Pathos. Sie benennt die Lücke im australischen Fußball-Lebenslauf und sie benennt sie ohne Umschweife. Wer eine solche Marke offen ausspricht, dem ist klar, dass er an ihr gemessen werden wird.

Trainer Tony Popovic formulierte es vorsichtiger, aber in dieselbe Richtung. Man werde in Dallas "versuchen, etwas Besonderes zu schaffen" — eine Formel, die genug Demut transportiert und genug Ambition. Es ist auch der Ton, den eine Mannschaft braucht, die weiß, dass sie nicht der Favorit ist und es trotzdem sein will. Popovic schiebt seine Spieler nicht in eine Rolle, die ihnen nicht gehört; er lässt ihnen den Raum, größer zu spielen, als es ihnen vor dem Turnier zugetraut wurde.

Wie groß dieser Raum tatsächlich ist, hat Aiden O'Neill in Worte gefasst, die innen mehr verraten als außen. "Ich glaube, vor Beginn der Weltmeisterschaft haben uns nicht viele zugetraut, in der Gruppe Zweiter zu werden," sagte er, "aber genau dieser Glaube herrscht in unserer Mannschaft." Das ist die Art Selbstwahrnehmung, die ein Team braucht, um über sich hinauszuwachsen, ohne sich zu überheben. Sie kennen die Skepsis von außen, und sie nutzen sie nicht als Treibstoff für trotzige Sprüche, sondern als stilles Argument.

Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich Irvine den größeren Bogen zieht. Zum zweiten Mal in Folge die Gruppenphase überstanden — das zeige, sagt er, "welche Schritte wir gemacht haben. Das ist eine großartige Mannschaft, und ich hoffe, dass wir dieses K.o.-Spiel als Nächstes gewinnen können." Wer so formuliert, denkt nicht in Einzelturnieren, sondern in Entwicklungslinien. Australien hat sich an einen Punkt herangearbeitet, an dem der nächste Schritt nicht mehr ein logistischer ist, sondern ein sportlicher.

Freitag in Dallas wird zeigen, ob dieser Schritt gelingt. Den Anspruch dafür haben sie selbst formuliert, ohne dass jemand sie dazu gedrängt hätte. Das ist die vielleicht wichtigste Veränderung an diesem australischen Team.