44 Abgeordnete stellen Infantino: Die FIFA baut Russland eine Rampe

Die U15-WM wird zum Testlauf für Moskaus Rückkehr. Zürich verkauft es als Verwaltungsakt, der Kreml feiert einen politischen Sieg.

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44 Abgeordnete stellen Infantino: Die FIFA baut Russland eine Rampe
IMAGO/Newscom / GDA

Es sind 44 Abgeordnete des Europäischen Parlaments, die einen Brief an Gianni Infantino geschickt haben, und der Ton dieses Briefes lässt keinen Interpretationsspielraum. „Wir fordern die FIFA dringend auf, sich für den Frieden einzusetzen und nicht den Aggressor – Russland – zu besänftigen", heißt es dort, nachzulesen beim US-Portal Politico. Anlass ist die Entscheidung der FIFA-Spitze, Russland die Teilnahme an der U15-Weltmeisterschaft im Oktober in Aserbaidschan zu erlauben. Es ist die erste U15-WM der Geschichte, und ausgerechnet dieses Debüt-Turnier wird zum Testlauf für die Rückkehr eines Landes, das seit 2022 vom internationalen Fußball ausgeschlossen ist.

Der Trick liegt im Kleingedruckten. Russische Nationalmannschaften und Vereine sind seit 2022 gesperrt, der nationale Verband aber wurde nie suspendiert. Diese Lücke hat die FIFA jahrelang offengehalten, und sie öffnet sich nun bei den Jüngsten. Bei der Ankündigung des Turniers hat die FIFA erklärt, es stehe allen Verbänden offen. Ein Satz, der neutral klingt, aber in Moskau sofort anders gelesen wurde.

Russlands Sportminister Michail Degtjarjow hat keine Minute gebraucht, um die Formulierung als das zu deuten, was sie in seinen Augen ist: eine Einladung. „Wir begrüßen die Entscheidung der FIFA, der russischen Nationalmannschaft die Teilnahme an der U15-WM zu gestatten. Dies ist ein wichtiger Schritt, um russische Mannschaften wieder in den internationalen Sport zu integrieren", schrieb er in den sozialen Medien. Damit ist das rhetorische Manöver der FIFA, sich hinter Verbandsformalien zu verstecken, im gleichen Moment entwertet. Was in Zürich als Verwaltungsakt verkauft wird, ist in Moskau ein politischer Sieg.

Genau an diesem Punkt setzen die 44 Abgeordneten an. Ihre Forderung ist präzise formuliert: Russland dürfe erst wieder zu FIFA-Wettbewerben zugelassen werden, wenn es Friedensverhandlungen mit der Ukraine aufnehme, „eine Waffenruhe vereinbare" und der Rückführung von Kindern zustimme, die aus ukrainischen Gebieten verschleppt wurden. Das ist keine sportpolitische Petition mehr, das ist eine Bedingungskette, die den Fußball-Weltverband in ein außenpolitisches Koordinatensystem stellt. Und sie legt offen, dass die FIFA mit ihrer Öffnung nicht neutral bleibt, sondern sich entscheidet.

Man kann das Argument akzeptieren oder ablehnen, dass Fünfzehnjährige nichts mit dem Krieg zu tun haben, den ihre Regierung führt. Sportpolitisch führt es trotzdem in eine Sackgasse. Denn wer die U15 als vermeintlich unpolitische Kategorie behandelt, öffnet damit die Tür für die U17, die U20, irgendwann für die A-Nationalmannschaft. Die russische Reaktion zeigt, dass genau dieser Fahrplan mitgelesen wird. Die FIFA hat keine Zwischenkategorie geschaffen, sie hat eine Rampe gebaut.

Die Frage, die der Brief aus Brüssel aufwirft, geht deshalb über das Turnier in Aserbaidschan hinaus. Sie lautet, ob die FIFA sich als Verwalter eines regelbasierten Wettbewerbs versteht oder als politischer Akteur, der weiß, was er tut. Beides ist zulässig, aber nur eines davon ist ehrlich. Solange der nationale Verband unangetastet bleibt und Russland die U15-WM als Rückkehr feiert, ist die Behauptung, man treffe hier eine rein sportliche Entscheidung, nicht mehr haltbar. Die 44 Abgeordneten haben das offen ausgesprochen. Die Antwort steht aus.