364 Spiele, zehn Millionen, kein Ton: Nico Elvedi verlässt Mönchengladbach

Ein Abwehrspieler prägt elf Jahre lang eine Borussia und verschwindet über eine Freigabe per Samstagsmitteilung. So endet Loyalität heute.

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364 Spiele, zehn Millionen, kein Ton: Nico Elvedi verlässt Mönchengladbach
IMAGO/fohlenfoto

Beim Test gegen Aston Villa, dem Europa-League-Sieger, vor mehr als 50.000 Zuschauern fehlte ein Name im Kader, der elf Jahre lang selbstverständlich dort stand. Tim Kleindienst traf zweimal binnen drei Minuten (32./35.), Gladbach gewann 2:1 – und Nico Elvedi saß nicht einmal auf der Bank. Freigestellt „für Gespräche mit einem anderen Verein“, teilte der Klub am Samstag mit.

Es ist der Satz, in dem eine Ära mit einer Verwaltungsformel abgewickelt wird. 364 Pflichtspiele, seit dem Sommer 2015 vom FC Zürich gekommen, ein Schweizer Nationalspieler, der die Innenverteidigung dieser Borussia über ein Jahrzehnt hinweg gehalten hat – und der Abschied kommt nicht als Ehrung, sondern als Nebensatz einer Samstagsmeldung.

Zehn Millionen Euro soll Leeds United bereit sein zu zahlen, wo mit Daniel Farke ein früherer Gladbach-Coach auf der Bank sitzt. Für einen 29-Jährigen mit nur noch einem Jahr Restvertrag ist das kein schlechter Preis, im Gegenteil: Wer so lange dient, verliert am Ende trotzdem Marktwert, und ein Verein, der wirtschaftlich denkt, greift zu, bevor im nächsten Sommer ablösefrei gar nichts mehr übrig bleibt.

Das Argument ist sauber gerechnet. Ein Spieler jenseits der 29, dessen Vertrag ausläuft, ist Kapital, das schmilzt. Zehn Millionen jetzt sind mehr als null im Juli 2027. In den Tabellen der Klubfinanzen ist Elvedis Abgang eine kluge Bilanzentscheidung, und niemand könnte der Borussia daraus einen kaufmännischen Vorwurf machen.

Nur misst diese Rechnung nicht, was ein Klub mit einem Urgestein tatsächlich verliert. 364 Spiele sind keine Zahl, die man gegen zehn Millionen aufwiegt – sie sind elf Jahre Kontinuität in einem Geschäft, das Kontinuität längst als Luxus behandelt. Elvedi hat unter mehreren Trainern gespielt, Auf- und Abstiege des sportlichen Niveaus überstanden, war da, als andere kamen und gingen.

Und genau diese Beständigkeit wird nun stiller entsorgt, als sie es verdient hätte. Kein Abschiedsspiel, keine ausgedehnte Würdigung, sondern die Nichtberücksichtigung gegen Aston Villa und danach eine Zeile über eine Freigabe. Der Spieler erfährt seinen Bedeutungsverlust auf dem Trainingsplatz, der Fan erfährt ihn aus einer Pressemitteilung.

So funktioniert der moderne Fußball: Er verlängert Verträge über Instagram und beendet Karrieren über Freigaben. Ein Mann, der 364-mal das Trikot der Borussia getragen hat, wird zum Transferposten in einem englischen Deal, weil der Rechenschieber es so vorgibt und weil zehn Millionen ein Betrag sind, den man in Mönchengladbach nicht ausschlägt.

Man darf beides denken. Der Verkauf ist wirtschaftlich vertretbar, sogar geboten. Und trotzdem sagt die Art, wie er passiert, mehr über den Zustand dieses Sports als über Elvedi selbst. Wer elf Jahre bleibt, ist heute die Ausnahme, nicht die Regel – und selbst die Ausnahme geht ohne Applaus.

Ein Test gegen Aston Villa, zwei Tore von Kleindienst, ein voller Rang mit über 50.000 Fans. Mittendrin fehlte einer, den sie alle kennen, und kaum jemand hat es im Jubel bemerkt. Genau so verabschiedet sich eine Ära, wenn niemand mehr die Zeit hat, sie zu bemerken.

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