Zidane holt 1998 zurück: Loyalität als Personalpolitik
Der Nationaltrainer besetzt seinen Stab mit Männern, die er kennt. Am 25. September in der Türkei zählt nur, ob das trägt.
Drei Namen, eine Mitteilung: Am Donnerstag hat der französische Verband FFF bestätigt, dass Fabien Barthez neuer Torwarttrainer der Nationalmannschaft wird und dass David Bettoni und Hamidou Msaidie als Co-Trainer zum Staff stoßen. Barthez gewann 1998 mit Zinedine Zidane die Heim-WM und zwei Jahre später die Europameisterschaft. Bettoni und Msaidie haben mit Zidane bei Real Madrid gearbeitet.
Der Nationaltrainer, seit Ende Juli im Amt und Nachfolger von Didier Deschamps, besetzt seinen Stab damit aus zwei Quellen: aus der Weltmeisterelf von 1998 und aus seiner Zeit in Madrid. Eine dritte gibt es nicht.
Zidane stellt keine Fachabteilung zusammen, er versammelt seinen eigenen Lebenslauf. Wer drei Posten ausschließlich mit Männern besetzt, die ihn seit Jahren kennen, verlegt die entscheidende Qualifikation von der Auswahl in die Vergangenheit.
Die gemeinsame Vergangenheit reicht dabei weiter als der Titel. Barthez beendete seine Karriere 2007, ein Jahr nach dem verlorenen WM-Finale in Berlin gegen Italien, als sein künftiger Chef nach einem Kopfstoß vom Platz geflogen war. Zwei Männer, die denselben Abend hinter sich haben, arbeiten künftig in derselben Kabine. Nähe ist eine Ressource. Ein Anforderungsprofil ist sie nicht.
87 Länderspiele, Welttorhüter 2000, der Champions-League-Sieg 2003 mit Olympique Marseille, Stationen bei Marseille, der AS Monaco und Manchester United: Wenn dieser Mann am 25. September beim Nations-League-Auftakt in der Türkei an der Seitenlinie steht, dann nicht als Zidanes alter Kollege, sondern als einer der besten Torhüter, die Frankreich hatte. Den Verband kennt er zudem von innen, als Berater unter den Nationaltrainern Raymond Domenech und Laurent Blanc – ohne Zidane.
Diese Vita erklärt Barthez. Sie erklärt nicht Bettoni und Msaidie, und sie erklärt vor allem nicht das Muster: Kein Name in diesem Stab führt an Zidanes eigener Karriere vorbei.
Vertrautheit ist die bequemste Antwort auf Zeitdruck. Zidane muss niemandem erklären, wie er arbeitet, weil Bettoni und Msaidie das aus Madrid kennen, und weil Barthez den Rest aus 1998 und 2000 weiß. Der Preis steht auf derselben Rechnung: Ein Stab, der die Handschrift des Chefs schon kennt, korrigiert sie seltener.
Für einen Klubtrainer ist das eine Frage des Geschmacks. Für einen Nationaltrainer, der seine Mannschaft nicht täglich auf dem Platz hat, ist es eine Frage der Substanz. Frankreich hat mit Deschamps eine Ära beendet und ersetzt sie durch ein Personal, dessen wichtigste Referenz ein Sommer vor 27 Jahren ist – mit dem Zusatz, dass der Torwarttrainer diesen Sommer sportlich mitgeprägt hat.
Am 25. September beginnt trotzdem alles bei null: Ein Titel von 1998 hält keinen Ball.
Wer sich mit Vertrauten umgibt, gewinnt Zeit und verliert die Stimme, die widerspricht: Zidanes Stab ist ein Kreis, kein Korrektiv.
Unbedingt lesen: Weltmeisterkollege für Zidane: Barthez neuer Torwarttrainer