WM-Finale für 2,3 Millionen Dollar: Die FIFA kassiert am Wucher mit
Der Weltverband verzichtet auf jede Obergrenze und verdient an jedem Aufschlag. Wer den Fußball liebt, ist längst herausgerechnet.
Wenn ein Ticket für ein Fußballspiel 2,3 Millionen US-Dollar kosten soll, ist der Sport längst nicht mehr das Produkt. Für diese Summe wird das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien am Sonntag im MetLife Stadium auf der offiziellen Weiterverkaufsplattform der FIFA angeboten – und wer glaubt, dafür einen Platz nah am Geschehen zu bekommen, irrt. Teilweise liegen genau diese Angebote im Oberrang der Haupttribüne, weiter weg vom Spielfeld geht es kaum. Es zahlt also niemand für die beste Sicht, sondern für den Besitz eines Objekts, dessen Wert allein aus seiner Knappheit entsteht. Das Endspiel einer Weltmeisterschaft ist zum Spekulationsgut geworden. Man könnte das achselzuckend als Auswuchs eines freien Marktes abtun, wären da nicht die 15 Prozent. Die FIFA behält sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer jeweils diesen Anteil ein. Würde eines der für 2,3 Millionen Dollar angebotenen Tickets tatsächlich den Besitzer wechseln, flössen allein knapp 690.000 Dollar an Gebühren an den Weltverband. Das ist der entscheidende Punkt: Die FIFA betreibt diese Plattform selbst, sie setzt keine bindende Obergrenze, und je höher die Verkäufer die Preise treiben, desto mehr verdient sie mit. Der Verband ist nicht Zuschauer des Wuchers, er ist sein Nutznießer. Ein Zweitmarkt kann sinnvoll sein. Fans, die verhindert sind, brauchen einen legalen Weg, ihre Karten weiterzugeben, statt sie an dubiose Straßenhändler zu verscherbeln. Genau dafür ließe sich eine Plattform mit fairer Preisdeckelung bauen, die den Weiterverkauf zum Nennwert oder knapp darüber erlaubt. Dass die FIFA stattdessen auf jede Obergrenze verzichtet und sich prozentual an jedem Aufschlag beteiligt, verkehrt die Idee ins Gegenteil. Der Schutzmechanismus für Fans wird zur Ertragsquelle für den Ausrichter. Dabei war schon der Ausgangspunkt bemerkenswert. Ursprünglich rief die FIFA für die Finaltickets je nach Kategorie zwischen 800 und 11.000 Dollar auf – deutlich mehr als bei der WM 2022 in Katar, als die teuerste Eintrittskarte für das Endspiel rund 1600 Dollar kostete. Der Verband hat also selbst die Preisspirale in Gang gesetzt, bevor der Zweitmarkt sie ins Absurde weiterdrehte. Selbst das günstigste verfügbare Ticket kostet nun rund 7200 Dollar, zahlreiche Angebote liegen über 100.000 Dollar. Der normale Zuschauer, der zu einem WM-Finale reist, weil er den Fußball liebt, ist aus dieser Rechnung längst herausgefallen. Wie weit sich der Verband von seinem eigenen Publikum entfernt hat, zeigt ausgerechnet eine Stimme, die man in dieser Debatte nicht als Kronzeugin erwartet: US-Präsident Donald Trump erklärte über die Preise, er würde das nicht bezahlen, um ehrlich zu sein. Wenn selbst dort Kopfschütteln herrscht, sollte der Weltverband ins Grübeln kommen. Denn die FIFA verwaltet nicht irgendein Produkt, sie verwaltet einen Sport, der Milliarden Menschen gehört und der von der Idee lebt, dass jeder dabei sein kann. Ein Finale, dessen Eintritt sich nur noch Millionäre leisten, ist kein Höhepunkt dieses Turniers – es ist sein Ausverkauf, und der Ausrichter kassiert an der Kasse mit. Unbedingt lesen: WM-Finale: FIFA-Zweitmarkt treibt Ticketpreise in Millionenhöhe