Wem gehört die Fußball-WM? Infantinos Milliardendeal überschreitet eine Grenze

Der Weltverband will Anteile am Turnier verkaufen, das 211 Verbände tragen. Intransparent, mit Eigeninteresse verknüpft: Verwaltung wird mit Besitz verwechselt.

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Wem gehört die Fußball-WM? Infantinos Milliardendeal überschreitet eine Grenze
IMAGO/Xinhua

Es gibt Sätze, die man von einem europäischen Verband selten in dieser Klarheit hört. „Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen." Der UEFA-Präsident Aleksander Čeferin hat den Satz geprägt, und er hat mit jeder Silbe recht, und das auf eine Weise, die man sonst der FIFA gegenüber kaum erlebt. Denn der Plan, über den Times, Telegraph und Financial Times berichten, rührt an etwas, das sich nicht in einer Bilanz ausdrücken lässt.

Worum es geht: Der Weltverband will 20 bis 30 Prozent an einem noch zu gründenden Unternehmen abtreten, das die WM kontrollieren soll. Ein Deal im Wert von über 17 Milliarden Euro, abgewickelt von JP Morgan, mit vorläufigen Vereinbarungen, die schon unterzeichnet sein sollen. Die FIFA behielte die Mehrheit, private Investoren erwürben Minderheitsanteile im Milliardenbereich. Man muss die Größenordnung ernst nehmen: Es geht nicht um Sponsoring, nicht um Fernsehrechte, sondern um Eigentumsanteile am Turnier selbst.

Die Weltmeisterschaft ist kein Startup, das sich frisches Kapital besorgt. Sie ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, den 211 Mitgliedsverbände tragen, und sie gehört keinem Präsidenten und keinem Fonds. Genau das meint die UEFA, wenn sie von einer Grenze spricht, „die die führenden Institutionen des Fußballs niemals überschreiten dürfen". Sobald Investoren Anteile halten, verschiebt sich die Frage, in wessen Interesse eine WM stattfindet. Nicht mehr nur der Sport entscheidet, sondern die Rendite.

Besonders schwer wiegt der Punkt, den die UEFA offen benennt: die Intransparenz. „Insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert." Dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump konsultiert worden sein soll, macht die Sache nicht kleiner, sondern größer. Wer künftig an einem Anteil verdient, der über den größten Sportwettbewerb der Welt entscheidet, ist eine Frage, die die Öffentlichkeit betrifft – und die nicht in einem Verhandlungsraum zwischen FIFA, JP Morgan und Regierungen beantwortet werden darf.

Man muss dazu wissen, wie Macht in diesem System funktioniert. Ein Großteil der Einnahmen geht an die 211 Mitgliedsverbände, und genau darin liegt Infantinos Hebel. Das Geld ist nicht nur Ertrag, es ist Machtinstrument. Der Schweizer, laut Statuten nur bis 2031 im Amt, will sich im kommenden Jahr bis 2031 bestätigen lassen. Mehr als 200 Verbände sollen laut Guardian bereits ein Unterstützerschreiben unterzeichnet haben. Wer den Geldhahn kontrolliert, kontrolliert die Wahl – und je mehr Geld fließt, desto stabiler die Mehrheit.

Und die Rolle Infantinos selbst? Er könnte nach 2031 Kommissar der neuen Organisation werden. Das ist der Punkt, an dem sich Amt und Eigeninteresse nicht mehr sauber trennen lassen. Ein Präsident, der eine Struktur schafft, in der er später eine Funktion übernehmen könnte, hat schwer zu erklären, dass er ausschließlich im Interesse des Fußballs handelt.

Die WM hat der FIFA durch das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada rund 13,1 Milliarden Euro eingebracht. Es fehlt also nicht an Einnahmen, es fehlt an Bescheidenheit. Wer trotz solcher Summen Anteile verkaufen will, verwechselt Verwaltung mit Besitz. Der DFB gehört bemerkenswerterweise nicht zu den Unterstützern der Wiederwahl. Das ist ein Signal – und es sollte lauter werden.

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