VfL Bochum: Hüpfen verboten

In vier Blöcken der Osttribüne darf bis zur Sanierung 2028 keiner mehr mitspringen. Bestraft werden die Fans für den Zustand der Stehstufen.

Teilen
VfL Bochum 1848 vs. SpVgg Greuther Fuerth, Fussball, 2. Bundesliga, 5. Spieltag, Spielzeit 2026 2027, 12.09.2026,.VfL Bochum fans VfL Bochum 1848 vs. SpVgg Greuther Fuerth, Fussball, 2. Bund
Foto: IMAGO/Eibner

In den Blöcken N2, O, P und Q der Bochumer Osttribüne ist ab Sonntag etwas verboten, das in keinem Regelwerk des Fußballs steht: das gemeinsame Springen. Gegen Arminia Bielefeld (13.30 Uhr) dürfen die Fans des VfL Bochum singen und jubeln – nur nicht das tun, was eine Stehkurve ausmacht. Gemeinschaftliche, rhythmische Hüpf- und Sprungbewegungen sind, so teilt es der Verein mit, „strengstens untersagt“.

Das klingt nach einer Fußnote im Stadionbetrieb. Tatsächlich trifft die Strafe die Falschen. Wenn eine Stehtribüne nicht mehr aushält, wofür sie da ist, liegt der Fehler bei der Tribüne und nicht bei den Menschen, die auf ihr stehen.

Im Zuge der geplanten Modernisierung des Ruhrstadions hat ein Ingenieurbüro das Schwingungsverhalten der Stehstufen auf der Osttribüne „nochmals eingehend untersucht“ und einen „Trampolineffekt“ festgestellt: Springen viele Menschen im selben Takt, schwingt die Konstruktion so stark, dass vor allem „ungeübte“ Besucher Unwohlsein verspüren könnten. Die Bochumer Bauaufsichtsbehörde hat das Hüpfverbot daraufhin als Alternative zur Sperrung festgelegt. Aufgehoben werden kann es, wenn die Sanierung 2028 abgeschlossen ist.

Die Tragfähigkeit der Tribüne ist laut Gutachten gegeben, und das Verbot ist die mildere Lösung: Ohne es wäre die Osttribüne gesperrt. So kann sie „unter voller Auslastung genutzt werden“, wie der VfL erleichtert mitteilt. Auch der Torjubel bleibt erlaubt, untersagt ist nur das „choreographierte Springen“. Wer zwischen einer leeren und einer stillen Kurve wählen muss, nimmt die stille.

Nur zeigt gerade diese mildere Lösung, wer den Preis zahlt. Gerettet wird die Tribüne, indem man den Fans das nimmt, was eine Kurve von einer Sitzplatztribüne unterscheidet. Haften sollen sie gleich mit: Bei Zuwiderhandlungen drohen laut Verein „sofort erhebliche Konsequenzen“, bis hin zur kompletten Sperrung. Für die Schwingung in der Konstruktion stehen damit die Menschen auf den Stufen gerade.

Auch die Grenze zwischen erlaubtem und verbotenem Springen sagt einiges. Der spontane Sprung nach dem Tor ist in Ordnung, der verabredete nicht – als ließe sich Begeisterung nach Anlass und Takt sortieren. Kontrollieren lässt sich diese Grenze kaum, das Risiko einer Sperrung tragen trotzdem die Fans.

Der VfL bedauert die „unumgänglichen Maßnahmen“, und die Sanierung des Bereichs war ohnehin Teil der Modernisierung. Bis 2028 bleibt es trotzdem eine lange Zeit für eine Kurve, die stillhalten soll. Den Zustand der Tribüne hat keiner verursacht, der auf ihr steht. Stillhalten müssen trotzdem genau diese Leute.