Uli Hoeneß inszeniert seinen Neffen für den FC Bayern — 18 Tage vorm DFB-Pokalfinale
Der Ehrenpräsident lobt Kompany und bringt zugleich einen Nachfolger in Stellung. Jede Bewertung des Berliner Finales ist damit kontaminiert.
Man muss Uli Hoeneß dankbar sein. Er erspart uns das Rätselraten, das andernorts als Diskretion verkauft wird. Wenn der Ehrenpräsident des FC Bayern bei DAZN erklärt, sein Neffe Sebastian komme als Nachfolger von Vincent Kompany "mindestens mal in Frage", dann ist das kein Versprecher, keine Plauderei im Halbschatten. Das ist eine Ansage, ausgesprochen achtzehn Tage vor einem Pokalfinale, in dem genau dieser Neffe als Titelverteidiger auf genau diesen Kompany trifft.
Die Konstruktion hat ihren eigenen, fein abgeschmeckten Humor. Hoeneß lobt Kompany so überschwänglich, dass jeder Nachsatz wie ein Abschied klingen könnte — der Belgier dürfe "von mir aus noch fünf oder zehn Jahre hierbleiben", habe "alle Spieler besser gemacht", aus "15, 16 oder 18 sehr guten Einzelspielern ein homogenes Team" geformt. Und im selben Atemzug wird der Neffe in Stellung gebracht, freundlich, respektvoll, vorsorglich.
Man kennt das Prinzip: Wer öffentlich gesetzt wird, ist nicht mehr disponibel. Wer als Nachfolger gehandelt wird, bleibt es auch dann, wenn der Amtsinhaber gerade ein Triple jagt.
Dass Sebastian Hoeneß sportlich in diese Debatte gehört, ist unstrittig. Er hat den VfB Stuttgart im Abstiegskampf übernommen, ihm wurden, wie der Onkel zutreffend anmerkt, "in den letzten Jahren immer wieder die besten Spieler verkauft", und er hat 2025 den DFB-Pokal gewonnen. Das ist eine Bilanz, die ohne familiäre Empfehlungsschreiben auskommt. Vor seiner Stuttgarter Zeit arbeitete der 1982 in München geborene Trainer für die U19 und die zweite Mannschaft des FC Bayern, über Hoffenheim kam er im April 2023 zum VfB. Die Linie ist sauber, die Qualifikation ist es auch.
Das Problem liegt nicht im Namen des Kandidaten, sondern im Timing seines Fürsprechers. Am 23. Mai steht das Finale in Berlin an, Titelverteidiger gegen Triple-Jäger, Neffe gegen Supertrainer. Jede Bewertung dieses Spiels ist nun kontaminiert. Gewinnt Stuttgart, wird es heißen, der Hoeneß-Neffe habe sich für München empfohlen. Gewinnt Bayern, wird die Empfehlung des Onkels trotzdem nicht zurückgenommen. Und Kompany, der Mann, dem man gerade öffentlich attestiert hat, er habe Großes geleistet, muss sich überlegen, was es bedeutet, wenn der mächtigste Mann des Klubs bereits laut über die Zeit nach ihm nachdenkt.
Hoeneß wird das nicht so gemeint haben. Er selten meint, was er sagt, so wie er es sagt — und er sagt selten etwas, das nicht wirkt. Die Formulierung "nach unserem Trainer von mir den größten Respekt" ist eine Rangordnung, kein Kompliment. Sie stellt Kompany auf Platz eins und Sebastian Hoeneß auf Platz zwei einer Liste, die es offiziell gar nicht geben dürfte. Wer so redet, hat die Liste aber längst.