UEFA stellt Reformen vor: Gegenkandidat lässt auf sich warten

Im FIFA-Machtkampf berät die UEFA in Berlin über die nächsten Schritte. Eine Alternative zu Gianni Infantino wird (noch) nicht präsentiert.

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Streiten öffentlich: Ceferin (l.) und Infantino
Streiten öffentlich: Ceferin (l.) und Infantino. Foto: picture-alliance/PA Wire/SID/Nick Potts

Noch kein Gegenkandidat, aber eine "klare Richtung" für den FIFA-Machtkampf - das ist das Ergebnis des "Anti-Infantino-Gipfels" der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Nach dem Treffen in Berlin stellten die Europäer am Donnerstag ihre Reformvorschläge für den Weltverband vor, denen einer Mitteilung zufolge bis auf Aserbaidschan alle 55 UEFA-Mitgliedsverbände zustimmten. Dazu bekräftigte der europäische Verband, dass für die FIFA-Präsidentenwahl im März 2027 in Rabat/Marokko eine Alternative zu Amtsinhaber Gianni Infantino hersoll.

"Die Person an der Spitze, die in besonderer Weise dafür steht, wie die FIFA sich heute darstellt, muss abgelöst werden", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf: "Ich persönlich, aber das war heute, glaube ich, die Mehrheitsmeinung, bin nicht überzeugt, dass es mit dieser Führung der FIFA zu einem glaubhaften Reformprozess kommen kann." Es sei auch über das Profil eines möglichen Gegenkandidaten gesprochen worden. Das Reformpaket, führte Neuendorf aus, zeige dazu, wie sich die UEFA eine FIFA vorstelle, "die dem Fußball hilft und ihm nicht schadet".

Bei der Council-Sitzung des Weltverbandes am 15. Oktober sollen die Vorschläge eingebracht werden. Diese beschäftigen sich unter anderem mit der institutionellen Governance, der Entscheidungsfindung, Kontrolle und Rechenschaftspflicht sowie der Verteilung der FIFA-Gelder.

Aleksander Ceferin hatte eine Kandidatur ausgeschlossen, der Slowene strebt eine vierte Amtszeit als UEFA-Präsident an. Auch der Katarer Nasser Al-Khelaifi steht nicht zur Verfügung. Gehandelt wird dagegen Victor Montagliani, Chef des Verbandes für Nord- und Mittelamerika und die Karibik (CONCACAF). Salman bin Ibrahim Al Khalifa, Präsident der asiatischen Konföderation (AFC), wurde ebenfalls genannt, näherte sich Infantino aber in dieser Woche offenbar an. Die Frist für die Nominierung einer Alternative läuft am 18. November ab, die UEFA will auch aufgrund der Kandidatenfrage vor dem 17. November erneut zusammenkommen.

"Die Nationalverbände bekräftigten, dass sie das Vertrauen in die derzeitige FIFA-Führung verloren haben. Institutionelle Reformen allein würden nicht ausreichen", hieß es in der UEFA-Mitteilung: "Die FIFA braucht auch eine neue Führung: eine respektierte und verbindende Persönlichkeit mit tiefen Wurzeln im Fußball, der Vision und Erfahrung zur Führung der Organisation, der Fähigkeit, Vertrauen über die verschiedenen Regionen hinweg zu schaffen, sowie einem eindeutigen Bekenntnis zu Entwicklung, Reform, Integrität und Unabhängigkeit."

Infantino war infolge seines gescheiterten Investorenvorhabens massiv unter Druck geraten. Er stellte unlängst Reformbereitschaft sowie Auszahlungen aus den FIFA-Reserven an die Mitgliedsverbände in Aussicht. Damit verkleinerte der 56-Jährige die Angriffsfläche für seine Gegner, die ähnliche Forderungen gestellt hatten. Schon jetzt erscheint sicher, dass die Opposition aus UEFA, AFC und CONCACAF nicht alle ihre Mitglieder hinter sich versammeln kann.