Trotz Neuer-Patzern: Bayern kämpfen sich ins Halbfinale
Dem Hinspiel-Held unterlaufen gegen Madrid zwei Fehler, die zu Gegentoren führen - doch die Münchner retten sich in die Runde der letzten Vier.
Bayern München kämpft sich ins Halbfinale der Champions League - und wie: Gegen Real Madrid leistet sich Manuel Neuer zwei Patzer, es reicht dennoch.
München (SID) Matchwinner Michael Olise ließ sich nach einem epischen Viertelfinal-Krimi vor der ekstatischen Südkurve feiern, als den geschlagenen Königlichen die Sicherungen durchbrannten. Während der FC Bayern nach einem völlig verrückten Rückspiel eine magische Champions-League-Nacht feierte, belagerten die aufgebrachten Stars von Real Madrid den Schiedsrichter, Jungstar Arda Güler sah die Rote Karte. Den Münchnern war's herzlich egal - sie fordern nach dem 4:3 (2:3) nun Titelverteidiger Paris Saint-Germain im Traum-Halbfinale.
Die Königlichen hatten das 1:2 aus dem Hinspiel zur Pause nach Toren von Güler (1., 29.), beide nach Neuer-Patzern, und Superstar Kylian Mbappé (42.) wettgemacht. Die Bayern hielten durch Aleksandar Pavlovic (6.) und das 50. Saisontor von Harry Kane (38.) dagegen. Eduardo Camavinga (86.) sah bei Real Gelb-Rot, dann schossen Luis Díaz (89.) und Michael Olise (90.+4) München in die Runde der letzten Vier.
"Es war sehr viel Drama", sagte Joshua Kimmich bei DAZN: "Es hat sich gelohnt, es bis zum Ende zu gucken. Ich hoffe, alle Kinder in Deutschland durften ein bisschen länger wach bleiben. Ich hoffe, meine Frau hat meinen Sohn ein bisschen länger wach gelassen und morgen dann zur dritten Stunde in die Schule. Ich glaube, jetzt treffen die beiden momentan besten Teams Europas im Halbfinale aufeinander."
In Paris muss der deutsche Rekordmeister allerdings auf Vincent Kompany verzichten. Der Trainer sah Gelb und ist gesperrt.
In der Arena knisterte es schon lange vor Anpfiff. Ehe all die Prominenz wie Bundestrainer Julian Nagelsmann ihre Plätze eingenommen hatte, war die Südkurve voll besetzt - und laut! "Alles in unserer Hand!", stand unter der riesigen Choreo, die zu sehen war, als die Stars den Platz betraten. Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen schwärmte: "Das ist eine Nacht, für die wir alle arbeiten. Das ist Hochgenuss!"
Spielerisch untermauern sollte dies dieselbe Startelf, die schon das Bernabéu gestürmt hatte: Weil Serge Gnabry seine Knieblessur auskuriert hatte, blieb Jamal Musiala nur die Bank. Tom Bischof fehlte kurzfristig wegen eines Faserrisses in der Wade.
Im Blickpunkt stand wie in Madrid sofort: Neuer. Hatte der Kapitän in der Vorwoche noch mit Paraden geglänzt, unterlief ihm diesmal ein schwerer Fehler, als er den Ball unter Bedrängnis in den rechten Halbraum spielte - zu Güler, der ihn gedankenschnell aus knapp 35 Metern übertölpelte.
Ein dicker Torwartpatzer auf der anderen Seite brachte den schnellen Ausgleich. Andrij Lunin, der den verletzten Weltklasse-Mann Thibaut Courtois vertrat, segelte an einer Ecke vorbei - Pavlovic köpfte aus kurzer Distanz ein.
Madrid, erstmals in der Champions League ohne Spanier in der Startelf, lauerte auf Umschaltmomente. Die Bayern wussten mit dem Plus an Ballbesitz wenig anzufangen, zu schlampig war das Passspiel. Joshua Kimmich (27.) vergab eine seltene Gelegenheit.
Vor dem 1:2 kam Konrad Laimer gegen Brahim Díaz einen Tick zu spät, der Marokkaner fiel bereitwillig. Gülers Freistoß aus gut 20 Metern schlug rechts oben ein. Neuer hatte einen Arm dran, wirkte aber seltsam unbeweglich.
Vor der Pause überschlugen sich die Ereignisse. Erst bereitete Abwehrchef Dayot Upamecano mit einer Energieleistung Kanes 2:2 vor, dann traf Vinicius (41.) die Latte. Doch damit nicht genug: Beim nächsten Gegenstoß legte der Brasilianer perfekt für Mbappé auf. Kompany beschwerte sich, dass in der Entstehung ein Foul von Antonio Rüdiger an Josip Stanisic ungeahndet blieb, und sah Gelb.
Stanisic wurde mit dem Seitenwechsel von Alphonso Davies abgelöst, der sich umgehend als Vorbereiter für Díaz (46.) in Szene setzte. Dessen abgefälschter Schuss ging knapp vorbei. Auf der anderen Seite rettete Neuer stark gegen Mbappé (55.).
Die Hausherren drängten auf das 3:3, nach einer Stunde auch mit Jamal Musiala. Immer wieder aber schlichen sich Fehler ins Spiel, die Reals Kontertaktik bedienten. Doch die Bayern steckten nicht auf, ein abgefälschter Schuss ins Glück von Díaz brachte den viel umjubelten dritten Ausgleich.