Trainerschein für Top-Nationalspieler: Der Vogts-Vorschlag hat eine Kehrseite

Der Verband ruft ab, was da ist, nicht. Ein deutscher Trainer holt vielleicht den WM-Titel, nur nicht für Deutschland. Woran liegt das wirklich?

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Trainerschein für Top-Nationalspieler: Der Vogts-Vorschlag hat eine Kehrseite
IMAGO/Bildbyran

Berti Vogts hat eine Ursache für den Zustand des deutschen Fußballs ausgemacht, und sie ist unbequem für den Verband, dem er einst diente: die Qualität der Trainer. Der 79-Jährige stellt die Frage nicht direkt, aber sie steht zwischen seinen Zeilen. Wenn die Ausbildung stimmt, wo bleiben dann die Fachleute, die die Wende einleiten könnten? Vogts liefert die Antwort gleich mit, und sie ist streitbar: Er will den Zugang zum Trainerjob für gestandene Nationalspieler wieder vereinfachen.

Das ist die eigentliche These seiner Kolumne in der Rheinischen Post, und sie verdient eine ehrliche Auseinandersetzung. Denn hinter dem freundlichen Satz „Das würde vielleicht locken" verbirgt sich ein handfester Konflikt. Deutschland hat sich über Jahre eine der anspruchsvollsten Trainerausbildungen der Welt aufgebaut, mit dem Argument, dass der große Name eben nicht automatisch den großen Coach ausmacht. Vogts stellt genau dieses Prinzip infrage. Er sagt: Wir verlieren die früheren Topspieler, weil ihnen der Weg zu mühsam ist. Und tatsächlich benennt er das Problem, das er meint: „Leider sind das nicht genügend frühere DFB-Topspieler. Das ist sehr schade."

Man kann Vogts hier zustimmen und ihm zugleich widersprechen. Zustimmen, weil er einen wunden Punkt trifft: Wenn Erfahrung auf höchstem Niveau nichts mehr gilt, verschenkt man Wissen, das kein Lehrgang ersetzt. Widersprechen, weil ein einfacherer Zugang für eine kleine Gruppe von Ex-Nationalspielern kein Konzept ist, sondern ein Elitenzugang. Der Trainerjob wird nicht besser, wenn man ihn den Berühmten leichter macht. Er wird besser, wenn die Ausbildung die Richtigen findet — unabhängig davon, wie viele Länderspiele jemand bestritten hat.

Konkret wird Vogts bei den Namen. Er begrüßt, dass der DFB möglichst schnell mit Jürgen Klopp einig werde, und traut ihm die Wende zu. Aber er setzt sofort eine Warnung dahinter: „Aber er wird es nicht allein schaffen." Klopp brauche starke Co-Trainer, die Idee mit Pep Lijnders gefalle ihm, internationale Einflüsse täten gut. Und dann kommt der eigentliche Wink: Vogts will „noch mal auf Matthias Sammer verweisen", eine starke Persönlichkeit an Klopps Seite. Er wisse nach eigenem Bekunden, dass Sammer bereit ist, dem DFB zu helfen.

Das ist der interessanteste Vorschlag der ganzen Kolumne, und er passt paradoxerweise nicht zur These vom vereinfachten Zugang. Sammer ist kein Beispiel für jemanden, den ein bürokratischer Zugang abschreckt. Er ist ein Beispiel dafür, dass der DFB verfügbares Format nicht abruft. Vogts nennt es „schade" — richtiger wäre: Es ist ein Versäumnis, wenn eine bereitstehende Persönlichkeit dieser Größe nicht eingebunden wird.

Zum WM-Favoriten wird Vogts fast versöhnlich. Warum nicht England, fragt er, und zieht vor Thomas Tuchel den Hut. Es gehöre Mut dazu, als Deutscher das englische Nationalteam zu übernehmen, und ihm gefalle, wie Tuchel nach dem Sieg gegen Norwegen kritisch geblieben sei und den Finger in die Wunde gelegt habe. „Was Tuchel macht, ist wichtig und richtig. Es geht darum, die Spannung zu halten." Damit widerlegt Vogts sich selbst ein Stück weit: Ein deutscher Trainer holt womöglich den Titel — nur eben nicht für Deutschland. Das Problem ist also nicht der fehlende Zugang. Es ist, wen der eigene Verband gehen lässt.

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