Slomka: Bundesliga macht es Klopp schwer
Das deutsche Oberhaus sei zur "Verkaufsliga" geworden, sagt der erfahrene Coach. Er mahnt an, dass die Klubs wieder deutsche Stars ausbilden sollen.
Bundestrainer Jürgen Klopp hat die Qual der Wahl - mit Betonung auf Qual, meint Mirko Slomka. Der erfahrene Trainer hat die Ausbildung der Bundesliga-Klubs kritisiert und behauptet, die Vereine stellten dem neuen Bundestrainer einen viel zu kleinen Talentepool zur Verfügung.
"Selbst der beste Trainer ist auf die Spieler angewiesen, die ihm der deutsche Fußball zur Verfügung stellt. Und die Auswahl wird kleiner", schrieb Slomka in seiner kicker-Kolumne. Als Beispiel nannte er Bayer Leverkusen. Beim deutschen Meister von 2024 kommen die beiden einzigen bisher eingesetzten deutschen Spieler, Robert Andrich und Jonas Hofmann, auf zusammen 44 Einsatzminuten.
Die Bundesliga sei "zu einer Verkaufsliga geworden", meinte Slomka. Viele Vereine holten junge Spieler aus dem Ausland, um diese nach erfolgreicher Entwicklung gewinnbringend zu veräußern. "Für viele Klubs ist das eine wirtschaftliche Überlebensstrategie, doch sie macht Klopp das Leben schwerer", schrieb Slomka.
Seine These belegte er auch mit Zahlen: In der Saison vor dem WM-Triumph 1990 kamen deutsche Profis in der Bundesliga noch auf 511.759 Einsatzminuten - damals gab es allerdings noch eine Beschränkung für Spieler aus dem Ausland. In der vergangenen Spielzeit waren es nur noch 235.689 Minuten, also weniger als die Hälfte der Einsatzzeit.
"Zum Bundesliga-Spieler wird ein Talent erst durch Vertrauen, Einsatzminuten und Verantwortung. Gerade zwischen 18 und 22 Jahren fehlen vielen deutschen Spielern diese Möglichkeiten", schrieb Slomka und folgerte: "Vielleicht ist der deutsche Fußball also gar nicht zu schlecht, zu teuer oder zu anspruchsvoll. Vielleicht ist der Profifußball nur immer weniger bereit, das notwendige Risiko zu tragen."
Klopp nominiert am Donnerstag seinen ersten Kader für den Start in die Nations League mit seinem Debüt gegen die Niederlande in Amsterdam am 24. September. Slomka glaubt trotz allem an den Nachfolger von Julian Nagelsmann: "Er kann Spieler besser machen, neue Begeisterung entfachen."