Schotten, Schiris, Frauen: Die Gewinner und Verlierer der WM

Wer bei diesem Turnier besonders begeistert und wer enttäuscht hat – Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel zieht den Schlussstrich

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Schotten, Schiris, Frauen: Die Gewinner und Verlierer der WM
Foto: Imago / Kirchner-Media

Die größte WM aller Zeiten ist vorbei. Die Spanier sind Weltmeister, Kylian Mbappé Torschützenkönig und wir Deutsche die begossenen Pudel des Jahres.

Hier kommt nun der Schlussstrich – meine Gewinner und Verlierer des Turniers.

Gewinner: Die Frauen

Werden ja bei solchen Ereignissen gern angefeindet, weil sie eben Frauen sind. Doch Esther Sedlaczek, Erziehungsberechtigte von Bastian Schweinsteiger bei der ARD, war aus meiner Sicht der TV-journalistische Höhepunkt des Turniers. Die Expertinnen Tabea Kemme (Magenta) und Fritzy Kromp (ZDF) zeigten ebenfalls sehr, sehr gute Leistungen. Tja, liebe Machos, und was jetzt?

Verlierer: Die deutschen Ultras

Die Gesänge der Mexikaner, das Rudern der Norweger, das Schmettern der Hymnen – wie schön und stimmungsvoll eine Weltmeisterschaft doch sein kann, wenn niemand blödsinnige Böller wirft oder Pyros in Unterhosen ins Stadion schmuggelt, um sie während des Spiels zu zünden. Hat irgendwer die deutschen Ultras vermisst? Ich nicht.

Gewinner: Die Schotten

Also alle, denn gefühlt war ja die ganze Nation nach Amerika geflogen. Die Schotten soffen dort alle Bars leer und verbreiteten trotzdem gute Laune. In unzähligen Videos beschrieben Amerikaner ihre Gefühle: Wie schön es sei, in einer von Grund auf verängstigen Nation einmal so viel Lebensfreude zu erleben. Die Tartan Army wanderte sogar morgens mit Plastiktüten durch Parks und machte ihren Dreck weg. Ich beantrage eine "Unlimited World Cup Flatrate" für Schottland. 

Verlierer: Die Schiedsrichter

Sie haben das Unmögliche geschafft: bei diesem Turnier die deutsche Nationalmannschaft noch zu unterbieten. Die Schirinnen und Schiris vergaßen z.B. kollektiv die Kapitänsregel. VAR war ein Witz, und Gelb gab's höchstens für Mordversuche auf dem Platz. Aber was will man auch erwarten, wenn während des Turniers auf dem Rasen vorm Weißen Haus Mixed Martial Arts geboten wird.

Gewinner: Der Fußball

Hat hinbekommen, was es noch nie gab: Dass Donald Trump zum ersten Mal etwas Schlaues gesagt hat. Thomas Tuchels Wechsel im Halbfinale gegen Argentinien seien "vielleicht ein Fehler" gewesen, sagte der US-Präsident: Die Engländer "führten, und dann haben sie ihren besten Spieler (Harry Kane) in die Abwehr gestellt. Ein klein bisschen offensiv müssen wir schon sein, oder?" Angeblich soll nun DAZN an Trump interessiert sein.

Verlierer: Google

Verdient den Sonderpreis für die sturste Werbung des Turniers. Wie man auf die Idee kommen kann, nach der unfassbaren DFB-Blamage weiter wochenlang Google-Werbung mit Nick "32 Minuten Einsatzzeit" Woltemade zu machen, ist mir schleierhaft. Noch schlimmer: Der Google-Spot, in dem Jonathan Tah einen Linienbus einholt. Expertendeutschland bog sich vor Lachen, schließlich ist Tah einer der langsamsten Spieler des DFB-Teams. Das hätte man auch googeln können.

Gewinner: Fritz Walter

Lionel Messis Flanke zum 2:1 der Argentinier gegen England war sein zwölfter Assist bei Weltmeisterschaften – der Argentinier übernahm damit die Spitzenposition in diesem Ranking. Wer hätte es gedacht: Messi verdrängte damit Fritz Walter als bisherige Nummer eins! Elf Assists bei den Weltmeisterschaften 1954 und 1958, sagenhafte 68 Jahre hat Walters Rekord gehalten!

Verlierer: Christian Streich

Super Typ, auf den ich nichts kommen lasse. Also nichts außer: Streich war leider ein ziemlich langweiliger ZDF-Experte.

Gewinner: Lionel Messi

In der Oper sagt man: "It ain't over till the fat lady sings." Im Fußball ist die Lady keine Lady und nicht fat und heißt Lionel Messi: Ein Spiel ist erst entschieden, wenn er gesungen hat, um im Bild zu bleiben. Konnte erst im Finale gestoppt werden, was nicht schlecht ist für einen 39-Jährigen, der sein Geld in Florida mit Rentnerfußball verdient.

Verlierer: Nagelsmann, Sané, Kimmich, Neuer

Muss ich das wirklich begründen? Na also.

Gewinner: Gianni Infantino

Wer jahrelang so viel Mist baut und trotzdem im Amt bleibt, vor dem muss man einfach den Hut ziehen. Gianni Teflons Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten im nächsten Jahr könnte höchstens ein Anruf von Donald Trump abwenden. Ich such' schon mal die Nummer raus.

Verlierer: Thomas Tuchel

Stand kurz davor, von König Charles zum Ritter geschlagen zu werden, verwechselte sich dann im Halbfinale, und alles, was der Schwabe mühsam aufgebaut hatte, ging die Themse runter. Zugegeben: Englands Nationaltrainer würde hier als Gewinner stehen, hätte es diese 20 Sekunden nicht gegeben. 

Gewinner: ICH

Habe beim Tippspiel von Fever Pit'ch sieben Tage vor Turnierstart Spanien als Weltmeister eingetragen. Fragte mich später angesichts der Leistungen von Frankreich, Haaland, Messi und Harry Bellingham, wie ich auf diese blödsinnige Idee gekommen war. Vergaß dabei: It ain't over till der Spanier sings.


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