Sandro Wagner kann einem leidtun: Auch mit Hannover geht's bergab

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über den Trainer, der in Augsburg scheiterte, jetzt auch in Liga zwei strauchelt – und was Klubchef Jonas Boldt damit zu tun hat

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2. Bundesliga: Eintracht Braunschweig vs. Hannover 96, 25.10.2026 Sandro Wagner (Trainer Hannover 96) am Seitenrand ; Fußball, 2. Bundesliga, 9. Spieltag: Eintracht Braunschweig vs. Hannover
Foto: IMAGO/Beautiful Sports

Es ist das schwere Los des Kolumnisten: Morgens vor dem Frühstück Harry-Kane-Videos vom Ballon d'Or gucken und sich nach dem Frühstück an einen Text über Hannover 96 setzen müssen. Mehr Gefälle geht nicht. Aber was sein muss, muss sein. Und wir haben es in beiden Fällen mit Extremen zu tun. Kane hat am Montagabend den Everest des Fußballs bestiegen, derweil in Hannover Sandro Wagner, der übrigens auch mal Bayern-Stürmer war, gerade ohne Schnorchel den Marianengraben seiner Karriere durchquert.

Wagner ist 38 Jahre alt. Er war Nationalspieler und versucht sich heute als Trainer. Leider stellen sich dabei dermaßen wenige bis keine Erfolge ein, dass er einem schon leidtut. Zuletzt scheiterte Wagner, der uns ja eine Zeit lang als TV-Experte so gut alles erklären konnte, dass wir ihn für den nahenden neuen Jürgen Klopp hielten, beim Erstligisten Augsburg grandios – neun Niederlagen in 14 Spielen. Nun gab ihm 96-Chef Jonas Boldt, auch nicht gerade unerfahren im Scheitergeschäft, eine Chance in der strauchelnden Hauptstadt Niedersachsens, unten in Liga zwei. Der Auftrag: Aufstieg.

Der Ist-Zustand: Abstiegskampf. Seit seiner Verpflichtung hat Wagner einen ganzen Punkt aus drei Spielen geholt. Torbilanz 1:6. Platz 16. Man ist sehr unzufrieden in Hannover. Heute empfängt der Klub im DFB-Pokal den 1. FC Kaiserslautern.

Im Falle einer weiteren Niederlage würde meine alte Boulevard-Lieblingsüberschrift besonders gut passen, finde ich: "Alles noch viel schlimmer!"

In den Vereinsforen ist auch so schon die Hölle los. Manche beklagen, dass Wagners Vorgänger Christian Titz bereits nach fünf Spieltagen von Boldt gefeuert wurde, wo doch Hannover bei Punktverlusten manchmal zumindest die besser spielende Mannschaft gewesen sei, was nun nicht mehr der Fall ist. Andere klagen Jonas Boldt an, der ja den HSV viereinhalb Jahre lang erfolgreich in der zweiten Liga hielt: Er habe keinen der Abgänge adäquat ersetzt – zum Beispiel verließen die Stammkräfte Noel Aseko (jetzt Glasgow Rangers) und Daisuke Yokota (Eintracht Frankfurt) den Verein, Stammkeeper Nahuel Noll wurde ausgeliehen. Mit Noll hat Erstliga-Aufsteiger SCP diese Saison immerhin acht Punkte in sieben Spielen gesammelt.

Ein Fan schrieb, Boldt und der wenig heimliche Klub-Lenker Martin Kind hätten den Verein "zurück in die Steinzeit gebombt". Ein anderer verwies auf fehlenden Fußballsachverstand der beiden.

Eigentlich sollte diese Kolumne mit Tröstlichem enden, nämlich dem Hinweis darauf, dass zuletzt quasi alle meiner Kolumnen zur Folge hatten, dass der Zustand des jeweils von mir kritisierten Klubs oder der kritisierten Person sich sofort nach Erscheinen des Textes deutlich verbesserte. Andererseits habe ich vor drei Wochen ausführlich begründet, warum Harry Kane und nicht Lamine Yamal den Ballon d'Or gewinnen müsse, und so ist es jetzt auch gekommen.

Auf nichts ist mehr Verlass in dieser Zeit, nicht mal auf meine Kolumnen.


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