Salihamidzic meldet sich zurück: bereit - aber wofür eigentlich?

Drei Jahre nach dem Rauswurf in München sendet er ein Signal in die Branche. Doch das Trennungsmanagement von 2023 klebt an seinem Lebenslauf.

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Salihamidzic meldet sich zurück: bereit - aber wofür eigentlich?
IMAGO/Sven Simon

Hasan Salihamidzic ist zurück im Gespräch, ohne dass man genau wüsste, wofür eigentlich. Im Sport1-Doppelpass hat der 49-Jährige am Sonntag erklärt, er sei für einen neuen Job „bereit". Drei Jahre sind seit seiner Entlassung beim FC Bayern vergangen, und der frühere Sportvorstand schickt ein Signal in die Branche, das deutlich genug ist, um wahrgenommen zu werden, und vage genug, um sich nichts zu verbauen. Was ihm vorschwebt, ließ er offen. Vielleicht ist das die ehrlichste Auskunft, die ein Funktionär in dieser Lage geben kann.

Bemerkenswert ist weniger die Bereitschaft als der Ton, in dem Salihamidzic sie formuliert. Er habe „meine Probleme" gehabt, sagt er, „weil ich tatsächlich total mit dem Herzen dabei war. Deswegen habe ich vielleicht ein bisschen länger gebraucht, um mich davon zu erholen." Das sind Sätze, die man von Sportvorständen selten hört, weil sie eine Verletzlichkeit zugeben, die im Geschäft als Schwäche gilt. Der Bosnier hat von 1998 bis 2007 für die Bayern gespielt, war seit 2017 Sportdirektor, von 2020 bis 2023 Sportvorstand. Wer so lange in einem Klub steckt, geht nicht einfach.

Zur Geschichte der vergangenen drei Jahre gehört die Aussöhnung mit Uli Hoeneß. Ausgerechnet beim Schafkopf, erzählt Salihamidzic, habe man die Sache geklärt. „Er hat sich auch nach zwei Stunden bei mir entschuldigt. Deshalb ist das für mich erledigt. Ich bin froh, dass ich für diesen Klub spielen und arbeiten durfte." Das ist eine bemerkenswerte Pointe, weil Hoeneß als Ehrenpräsident Teil jenes Aufsichtsrats war, der vor dem Saisonfinale 2023 die Entlassung beschloss. Eine Entschuldigung nach zwei Stunden Kartenspiel ersetzt keine institutionelle Klärung, aber sie reicht offenbar, um persönlich abzuschließen.

Den Bruch im Mai 2023 wird man trotzdem nicht aus der Akte streichen. Salihamidzic wurde zusammen mit Vorstandschef Oliver Kahn entlassen, vorm letzten Spieltag, und der zentrale Vorwurf betraf nicht das sportliche Ergebnis, sondern die Vorgehensweise beim Rauswurf von Trainer Julian Nagelsmann. Das ist die unangenehme Stelle in jedem Lebenslauf, der jetzt wieder durch die Liga gereicht wird. Wer Salihamidzic einstellt, holt sich nicht nur den Mann, der Transfers verantwortet hat, sondern auch den, dessen Name mit einem Trennungsmanagement verbunden bleibt, das bis heute als Lehrstück dafür dient, wie man es nicht macht.

Die größere Frage hinter der Personalie ist, welche Rolle ein Ex-Manager seiner Generation im aktuellen Fußball überhaupt noch findet. Sportvorstände sind heute Datenmanager, Kommunikatoren, Vermittler zwischen Aufsichtsrat, Fans und Trainerstab, und sie werden gemessen an Strukturen, nicht an Bauchgefühl. Salihamidzic hat in München beides gehabt: Erfolge im Tagesgeschäft und einen Ruf, der Entscheidungen bisweilen impulsiv wirken ließ. Seine Stärke war die Nähe zur Mannschaft, seine Schwäche die Abgrenzung zur Eskalation. Welcher Klub das gerade sucht, ist die eigentliche Marktfrage.

Vorstellbar sind verschiedene Wege, ein zweites Standbein als Sportdirektor im Ausland, eine Rolle in einer kleineren Bundesliga-Struktur, ein Mandat als Berater. Salihamidzic selbst lässt das ausdrücklich offen, und das ist klüger, als sich in eine Richtung festzulegen. Drei Jahre sind im Fußball lang genug, um vergessen zu werden, und kurz genug, um Fragen offen zu halten. Beides kann ihm jetzt helfen.