Rudi Völler baut neu auf — die erste große Biografie
Der Sportdirektor organisiert den Umbruch beim DFB. Ein Buch erzählt den Weg vom Hanauer Jungen zum Mann für fast jedes Amt.
Am 1. Oktober stand in der Nations League ein 2:0 gegen Serbien zu Buche, drittes Gruppenspiel der Division A. Auf der Tribüne und in der Verantwortung dafür: Rudi Völler, Sportdirektor der deutschen Nationalmannschaft. Nach dem Aus bei der WM 2026 und dem Rücktritt von Julian Nagelsmann ist der Umbau beim Deutschen Fußball-Bund seine Aufgabe, an der Seite des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp.
Dass gerade Völler diesen Neuanfang moderiert, hat eine eigene Logik. Er war für den DFB als Spieler, als Teamchef und als Funktionär im Einsatz, oft dann, wenn der Verband jemanden brauchte. Genau diese Spannweite trägt eine neue Biografie im Titel: „Rudi Völler — Einer für alle“, geschrieben vom Fußballhistoriker Christoph Bausenwein und erschienen 2026.
Völllers Vertrag beim DFB läuft bis zur EM 2028, danach, so hat er angekündigt, sei wirklich Schluss. Wer verstehen will, warum ein 66-Jähriger den Wiederaufbau übernimmt, findet im Buch die lange Vorgeschichte dieser Rückkehr.
Vom Hanauer Jungen zum Mann für fast jedes Amt
Der Untertitel passt, schreibt die Besprechung bei Absolut Fussball, weil Völler für den DFB als Mittelstürmer, als Teamchef und als Sportdirektor unterwegs war und im letzten Amt immer noch ist. Bausenwein beginnt früh: beim kleinen Rudi und seiner „harten Schule in Hanau“, beim jungen Burschen bei Kickers Offenbach.
Daraus wurden Werder Bremen, der AS Rom, Olympique Marseille und Bayer Leverkusen, dazu der WM-Titel 1990 und das WM-Finale 2002 als Teamchef. Bausenwein, Jahrgang 1959, hat solche Lebensläufe schon mehrfach erzählt, über Franz Beckenbauer, über Uli Hoeneß und über Joachim Löw. So einer schaffe locker die Strecke, heißt es in der Rezension.
Wer beim DFB den Neuanfang organisiert
Nach dem WM-Aus 2026 baut Rudi Völler als Sportdirektor neben Bundestrainer Jürgen Klopp um. Die erste umfassende Biografie erzählt den Weg vom Hanauer Jungen über den Weltmeister 1990 bis zum Mann, auf den der DFB in Krisen zurückgreift. Absolut Fussball nennt Autor Christoph Bausenwein „erfahren und kompetent gleichermaßen“. Christoph Bausenwein: Rudi Völler — Einer für alle. Die Werkstatt, 2026, 338 Seiten, 39,90 Euro.
Was das Buch über die Anekdoten hinaus trägt
Anekdoten liefert die Figur reichlich: der Rücktritt vom Rücktritt, der Teamchef ohne Trainerlizenz, die Rolle als Mann für alle Fälle. Im Buch wird auch das „Scheißdreck“-Interview vom 6. September 2003 auf Island originalgetreu wiedergegeben, jener Wutausbruch im Fernsehen, nach dem Völler, so die Besprechung, noch populärer war.
Unter den Szenen liegt die eigentliche Frage: Wie wird einer, der als „ein bisschen Old School“ beschrieben wird, über Jahrzehnte zur Figur, auf die der deutsche Fußball in der Krise zurückgreift. Die Biografie versucht, diese Beständigkeit zu erklären, statt sie nur zu bebildern.
Was die Kritik sagt
Absolut Fussball nennt Bausenwein „erfahren und kompetent gleichermaßen“ und ordnet das Werk in seine Reihe großer Fußball-Biografien ein. Dieselbe Besprechung hebt hervor, dass die Biografie „Rudi Nationale“ von allen Seiten zeige, auch die, die anders kann als die liebenswerte „Tante Käthe“.
Eine offene Spannung bleibt. Das Buch zeichnet einen Mann, der am liebsten zurückgezogen lebt, während seine aktuelle Aufgabe lautet, nach dem WM-Aus laut und öffentlich einen Neuanfang zu organisieren. Ob der ruhige Völler und der gefragte Krisenmanager dieselbe Person sind, lässt sich an den kommenden Monaten ablesen.
Das Buch erscheint bei Die Werkstatt, 2026, 338 Seiten, 39,90 Euro. Wer das nächste Länderspiel verfolgt und wissen will, wer da im Hintergrund die Fäden zieht, liest hier die Herkunft dieser Verlässlichkeit. Einer für alle: Das war selten ein Slogan und meistens eine Stellenbeschreibung.
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