Robin Gosens denkt schon weiter: Vom Profi zum Teampsychologen beim DFB?

Der Florenz-Legionär plant eine zweite Laufbahn auf einem Feld, das im Fußball lange als weicher Annex galt. Nimmt der Verband das Signal ernst?

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Robin Gosens denkt schon weiter: Vom Profi zum Teampsychologen beim DFB?
IMAGO/ABACAPRESS

Robin Gosens redet über seine Zukunft, während die Gegenwart noch läuft. In der Abendzeitung hat der Profi der AC Florenz erzählt, was er nach der Karriere vorhat – und es ist eben nicht der übliche Werdegang vom Spieler zum Trainer, vom Trainer zum Funktionär. Gosens hat parallel zum Profifußball Psychologie studiert. Er will Athleten begleiten, mit dem theoretischen Background und der praktischen Erfahrung, wie er es selbst formuliert.

Am liebsten beim DFB. „Das ist definitiv ein großer Traum von mir: diese beiden Welten zu verbinden", sagt der 31-Jährige. Eine Rückkehr zur Nationalmannschaft also, nur eben nicht als Spieler, sondern als Teampsychologe. Er begründet das mit seiner besonderen Verbindung zum Verband, schließt andere Wege aber ausdrücklich nicht aus: „Grundsätzlich denke ich da in viele verschiedene Richtungen."

Daran ist erst einmal nichts Sensationelles, und genau das macht es interessant. Ein 24-maliger Nationalspieler, der bei der EM 2021 im deutschen Kader stand, plant seine zweite Laufbahn in einem Feld, das im Fußball lange als weicher Annex galt. Wer auf dem Platz funktionieren musste, sprach selten darüber, was im Kopf passiert. Dass nun jemand wie Gosens, der seine Profilaufbahn nicht beendet hat, das Thema selbstverständlich auf den Tisch legt, sagt etwas darüber aus, wie sich die Selbstwahrnehmung dieser Generation verschoben hat.

Die Voraussetzungen, die er selbst nennt, sind dabei das eigentliche Argument. Der theoretische Background aus dem Studium, die praktische Erfahrung aus der Kabine, das Hineinversetzen in Situationen, die ein Psychologe ohne diesen Hintergrund nur über Umwege erreicht. Wer einmal mit kalten Füßen im Spielertunnel gestanden hat, weiß, was ein junger Spieler meint, wenn er sagt, er bekomme den Kopf nicht frei. Diese Doppelqualifikation gibt es im deutschen Fußball nicht im Überfluss. Sie wäre, wenn man sie nutzen wollte, eine Ressource.

Pikant ist die Konstellation trotzdem. Gosens wurde von Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht für die WM in den USA, Mexiko und Kanada nominiert, die vom 11. Juni bis 19. Juli stattfindet. Stattdessen wird er für die ARD als Experte arbeiten – also über jenes Turnier sprechen, für das er sportlich nicht reicht. In dieser Lage einen Traum zu äußern, der ausgerechnet zum DFB zurückführt, hat etwas Unverstelltes. Es klingt nicht nach Trotz und nicht nach Bewerbung, sondern nach jemandem, der seine Optionen sortiert.

Spannend wird sein, wie der Verband mit solchen Signalen umgeht. Mentale Betreuung in Nationalmannschaften ist längst kein exotisches Thema mehr, aber sie wird oft an externe Fachleute ausgelagert, die mit dem Innenleben des Profifußballs nur theoretisch vertraut sind. Ein ehemaliger Spieler mit Diplom auf der Position des Teampsychologen wäre ein anderes Modell. Ob es dazu kommt, hängt nicht nur von Gosens ab, sondern auch davon, wie ernst der DFB die Schnittstelle zwischen Leistung und Psyche nimmt – jenseits von Sonntagsreden.