Ringe für alle, die zahlen: Wenn der WM-Titel immer amerikanischer und zur Ware wird
Die FIFA verkauft das Symbol des Weltmeistertitels an Fans, die nie auf dem Platz standen. Was bleibt vom Beweis, wenn ihn jeder kaufen kann?
Der Fußball hat seinen eigenen Zauber, und der brauchte nie eine Anleihe aus Übersee. Ein Pokal, in die Höhe gereckt, Goldmedaillen um den Hals, ein Land im Ausnahmezustand: Das war genug, jahrzehntelang. Nun schiebt die FIFA für das Finale zwischen Argentinien und Spanien nach, was es so noch nie gab. Eine Halbzeitshow wie beim Super Bowl, und für die neuen Weltmeister Championship-Ringe, wie sie NFL, NBA, MLB und NHL seit langem verteilen. Der Höhepunkt der WM wird, so muss man es nennen, immer amerikanischer.
Man kann darüber streiten, ob ein Ring am Finger die Erinnerung an einen WM-Titel schöner macht. Man kann aber schwerer darüber streiten, ob der Fußball diese Geste selbst hervorgebracht hat: Er hat es nicht. Sie ist importiert, ein Zitat aus einer anderen Sportkultur, aufgesetzt auf ein Turnier, das seine eigene Symbolsprache längst besitzt. Der WM-Pokal ist das Bild, das bleibt. Ein Ring daneben wirkt nicht wie eine Ergänzung, sondern wie eine Überschreibung: Was hier vorher fehlte, wusste niemand, bis die FIFA es erfand.
Verräterischer als die Show ist der zweite Teil der Mitteilung. Denn die 30 Ringe für Kapitän, Trainer und Mannschaft sind nicht das Ende der Zählung. Insgesamt soll es 2026 nummerierte Weltmeisterringe geben, 30 für die tatsächlichen Weltmeister, die anderen für zahlungskräftige Fans weltweit. Jeder einzeln nummeriert, maßgefertigt, mit Echtheitszertifikat ausgeliefert. Der Ring, der eigentlich beweisen soll, dass jemand Weltmeister geworden ist, wird im selben Atemzug an Leute verkauft, die es nicht sind.
Darin liegt der eigentliche Bruch. Ein Titel ist deshalb wertvoll, weil ihn nur die gewinnen, die auf dem Platz stehen. In dem Moment, in dem das Symbol dafür gegen Geld an jeden geht, der zahlen kann, verliert es genau die Eigenschaft, die es tragen sollte. Ein Echtheitszertifikat bestätigt dann nicht mehr die Zugehörigkeit zu einem Team, sondern nur noch die Echtheit einer Ware. Die FIFA verkauft nicht das Andenken an einen Sieg, sondern das Gefühl, dabei gewesen zu sein, ohne dabei gewesen zu sein.
Dass die Sieger zunächst provisorische Ringe erhalten und die richtigen erst später kommen, individuell gestaltet, mit dem Pokal auf der einen Seite, passt ins Bild. Selbst die Übergabe wird zum Prozess, zur inszenierten Fortsetzung, statt zum einen großen Moment. Der US-Sport hat aus dieser Dramaturgie ein perfektes Geschäft gemacht, und man kann ihm das nicht vorwerfen: Es ist sein Format. Die Frage ist, warum der Fußball es kopiert, obwohl er ein besseres eigenes hat.
Man muss die Ringe nicht hassen, um skeptisch zu sein. Wer will, mag sie protzig finden oder schlicht überflüssig. Entscheidend ist, was die Zahl 30 plus X über die Prioritäten des Weltverbands sagt. Der Titel bleibt für elf plus Bank und Trainerstab. Das Souvenir aber ist für den globalen Markt gedacht, und beides soll gleich aussehen. Der Fußball feiert seinen Höhepunkt am Sonntag um 21.00 Uhr, und er feiert ihn ein Stück weit als Verkaufsveranstaltung: Das ist der Preis der Amerikanisierung, und er wird in nummerierten Ringen ausgezahlt.
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