Real Madrid: Präsident Pérez muss sich erstmals seit 2004 erklären

Zwei titellose Saisons, ein 37-jähriger Herausforderer, vorgezogene Wahlen: Die Selbstverständlichkeit der Macht im Bernabéu ist vorbei.

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Real Madrid: Präsident Pérez muss sich erstmals seit 2004 erklären
IMAGO/ZUMA Press Wire

Bei Real Madrid wird gewählt, und allein das ist eine Nachricht. Der spanische Rekordmeister hat den Termin für die Präsidentschaftswahl auf den 7. Juni festgelegt, bestätigt durch die vereinseigene Wahlkommission. Abgestimmt wird im Vereinszentrum in Valdebebas am Stadtrand Madrids, zusätzlich per Briefwahl. Rund 100.000 Klubmitglieder sind wahlberechtigt. So weit die Form, die in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten kaum jemanden interessiert hat, weil sie ohnehin nur einen Ausgang kannte.

Diesmal ist es anders. Florentino Pérez, 79, Bauunternehmer, seit 2009 ununterbrochen im Amt, bekommt zum ersten Mal seit 2004 einen Gegenkandidaten. Enrique Riquelme heißt der Mann, 37 Jahre alt, Unternehmer, und allein die Tatsache, dass sein Name auf einem Stimmzettel auftaucht, ist eine sportpolitische Zäsur. Pérez wurde 2013, 2017, 2021 und 2025 jeweils ohne Gegenstimme bestätigt. Vier Wahlgänge, vier Mal kein Widerspruch. Wer Real Madrid in dieser Zeit verstehen wollte, kam um die Kontinuität dieses einen Mannes nicht herum.

Pérez hat den Klub erstmals im Jahr 2000 übernommen und die Galáctico-Ära geprägt, bis er 2006 zurücktrat. Drei Jahre später kehrte er zurück und gewann seitdem alle Wahlen ohne Gegenkandidaten. Diese Lücke an Konkurrenz war kein Naturgesetz, sondern Ausdruck einer Machtarchitektur, die Herausforderer abschreckte, bevor sie überhaupt antraten. Riquelme bricht dieses Muster, ob aus Aussicht auf Erfolg oder aus politischem Kalkül, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten. Fest steht nur: Es gibt eine Wahl im Wortsinn.

Dass dieser Schritt ausgerechnet jetzt kommt, hat sportliche Gründe. Real Madrid hat die zweite Saison in Serie ohne einen großen Titel hinter sich gebracht. In La Liga reichte es zum zweiten Platz hinter dem Erzrivalen FC Barcelona, in der Champions League war im Viertelfinale gegen Bayern München Schluss. Für einen Klub, der sich über Trophäen definiert, ist das eine Bilanz, die nicht ohne Folgen bleibt. Und für einen Präsidenten, der sein Amt jahrelang über die Aura der Erfolge legitimiert hat, ist sie eine Angriffsfläche, die es vorher nicht gab.

Was die Wahl am 7. Juni interessant macht, ist weniger die Frage, wer am Abend gewinnt. Pérez verfügt über Apparat, Netzwerk und die finanzielle Schwerkraft eines Amtsinhabers, der den Klub seit anderthalb Jahrzehnten führt. Riquelme ist 37, und allein der Altersunterschied von 42 Jahren erzählt eine Geschichte über zwei sehr verschiedene Vorstellungen davon, wie ein Verein dieser Größenordnung geführt werden sollte. Auch wenn jede öffentliche Stellungnahme über Riquelmes Programm wenig aussagt, ist seine Kandidatur ein Signal: Die Selbstverständlichkeit, mit der Pérez bisher bestätigt wurde, ist beendet.

Vorgezogene Wahlen, ein Gegenkandidat, zwei titellose Saisons – die drei Punkte gehören zusammen, auch wenn man die Verbindungslinien zwischen ihnen nicht überzeichnen sollte. Real Madrid ist ein Klub, der mit dem Anspruch lebt, immer alles zu gewinnen, und der genau deshalb empfindlich auf Phasen reagiert, in denen das nicht gelingt. Pérez wird am 7. Juni zum ersten Mal seit 2004 erklären müssen, warum er der Richtige ist. Das hat er in den vergangenen zwei Jahrzehnten nie tun müssen. Schon das ist die eigentliche Veränderung.