Oliver Glasner krönt sich in London – und stellt die Bundesliga bloß

Drei Titel in zwölf Monaten, eine veränderte Klub-Mentalität: Warum fand dieser Trainer in Deutschland nie eine dauerhafte Heimat?

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Oliver Glasner krönt sich in London – und stellt die Bundesliga bloß
IMAGO/Brauer-Fotoagentur

Manche Trainerkarrieren entfalten sich dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Oliver Glasner, einst in der Bundesliga unterwegs, hat in London etwas geschafft, was 120 Jahre lang niemand bei Crystal Palace zustande brachte: Titel gewinnen - und dann gleich drei. Innerhalb von zwölf Monaten gewannen die Eagles unter dem Österreicher den FA Cup, den englischen Supercup und nun die Conference League. Es sind die ersten drei Titel der Vereinsgeschichte – und sie tragen alle die Handschrift desselben Mannes.

Der 1:0-Erfolg im Finale gegen Rayo Vallecano war der krönende Schlusspunkt seiner Zeit bei Palace, nicht nur sportlich, sondern auch in der Inszenierung. Glasner legte einen kräftigen Sprint hin, rutschte auf dem Bauch durch das Spalier seiner Spieler und feierte ausgelassen.

„Ein fantastischer Abend", sagte der Österreicher hinterher, sichtlich gelöst nach seinem „Diver". Die Bilder vom Trainer, der sich wie ein junger Stürmer in den Rasen wirft, werden bleiben. Sie passen zu einem Mann, der bei Palace offenkundig nicht nur Ergebnisse, sondern auch eine Haltung hinterlassen hat.

Glasner selbst bemühte sich, das Verdienst zu verteilen. „Als Trainer kann man nichts alleine erreichen", sagte er. „Man braucht ein großartiges Team im Hintergrund und vor allem großartige Spieler und Menschen. Genau das ist diese Mannschaft. Sie halten immer zusammen und arbeiten hart. Vom ersten Tag an haben wir die Einstellung geschaffen, dass alles möglich ist, wenn man hart arbeitet." Es klingt nach Floskel, wenn man es schnell liest. Wenn man die Bilanz daneben legt, klingt es nach einer Methode, die funktioniert hat.

Wie tief der Eindruck bei den Spielern sitzt, zeigt das Urteil von Adam Wharton. „Was er in zweieinhalb Jahren bewirkt hat, ist unglaublich. Drei Titel für Palace, die ersten drei in der Vereinsgeschichte. Die erste Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb und gleich der Sieg. Unglaublich. Er muss einer der besten Trainer sein, die Palace je hatte", sagte der Mittelfeldspieler. Wharton beschrieb auch, was sich jenseits der Pokalvitrine verändert hat: „Er hat die Einstellung des Vereins grundlegend verändert. Wir wollen nicht nur in der Premier League bleiben und in Europa dabei sein, wir wollen gewinnen und so weit oben wie möglich landen." Aus einem Klub, der über ein Jahrhundert lang ohne Titel auskam, ist einer geworden, der Titel als Maßstab nimmt.

Genau hier liegt die unbequeme Frage, die nach diesem Abend in London im Raum steht. Wie kann es sein, dass ein Trainer, der binnen zwölf Monaten dreimal etwas gewinnt, der die Mentalität eines Vereins umkrempelt und der von seinen Spielern in solchen Tönen beschrieben wird, in der Bundesliga keine dauerhafte Heimat fand? Glasner war dort in Wolfsburg und Frankfurt tätig, niemals länger als zwei Jahre, jetzt sammelt er in England Pokale und noch mehr als bei der Eintrachz. Es muss nicht jede Karriere nach dem geraden Pfad verlaufen, manchmal ist der Umweg die eigentliche Geschichte.

Wo es den 51-Jährigen nun hinzieht, ist offen. Bei Crystal Palace werden sie ihn vermissen, das ist nach diesem Abend keine Floskel mehr. Wer als Nächstes anruft, weiß, was er bekommt: einen Trainer, der gewinnt, wo lange niemand gewonnen hat. Und der danach durchs Spalier rutscht, statt eine Rede zu halten.