Nikotinbeutel im Profifußball: Studie zeigt hohe Verbreitung

Ein Kabinenfoto bei der WM 2026 hat die Debatte um Snus im Fußball neu befeuert. Belastbare Zahlen liefert bislang nur eine englische Studie – reguliert ist der Konsum kaum.

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Nikotinbeutel im Profifußball: Studie zeigt hohe Verbreitung
Foto: Will Colavito / Unsplash

Ein Foto aus der französischen Kabine hat bei der Weltmeisterschaft 2026 die Diskussion über Nikotinkonsum im Profifußball neu ausgelöst. Nach dem Gruppenspiel Frankreich–Irak kursierte in sozialen Netzwerken ein Bild, auf dem mehrere Sportmedien ein Döschen als Nikotinbeutel der Marke Velo identifizierten. Weder Nationalspieler Michael Olise noch der französische Verband, die FIFA oder der Hersteller bestätigten, was in dem Döschen war oder wem es gehörte. Einen Anti-Doping-Verstoß gab es nicht – Nikotin steht nicht auf der Verbotsliste.

Umgangssprachlich firmieren solche Produkte als „Snus", tatsächlich sind zwei Dinge zu trennen. Echter Snus ist ein feuchtes Tabakprodukt schwedischen Ursprungs und in der EU seit 1992 verboten, mit Schweden als einziger Ausnahme. Die heute in Kabinen verbreiteten Nikotinbeutel enthalten dagegen keinen Tabak, sondern Nikotin, Füllstoffe und Aromen. Ein Beutel liefert je nach Stärke rund 5 bis 20 Milligramm Nikotin und wird zwischen Oberlippe und Zahnfleisch platziert.

Die bislang einzige formelle Studie zum Thema stammt von der englischen Spielergewerkschaft PFA und der Loughborough University; sie wurde im Mai 2024 veröffentlicht. Befragt wurden 628 männliche Profis aus Premier League und English Football League sowie 51 Spielerinnen der Women's Super League. Zum Befragungszeitpunkt nutzten demnach 18 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen Nikotinbeutel – etwa jeder fünfte Profi. 42 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen hatten sie mindestens einmal probiert. Über die Hälfte der männlichen Nutzer wollte innerhalb eines Jahres aufhören; Anzeichen einer Abhängigkeit berichteten 53 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen. Snus bei Fußballern: Die Autoren betonen, dass es sich um anonyme Selbstauskünfte handelt, nicht um klinische Messungen, und dass die tatsächliche Verbreitung höher liegen könnte. Vergleichbare Daten für die Bundesliga oder den internationalen Fußball existieren nach derzeitiger Recherche nicht.

Regulatorisch bewegt sich der Konsum in einer Grauzone. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA führt Nikotin nicht auf der Verbotsliste, sondern seit Jahren im Monitoring-Programm: Die Substanz wird im Wettkampf beobachtet, aber nicht sanktioniert; das gilt auch für das seit 1. Januar 2026 geltende Programm. Die FIFA verankert ihr Anti-Doping-Regelwerk am WADA-Code. Für die Stadien der WM 2026 gilt zusätzlich eine tabakfreie Event-Ordnung, die sich allerdings primär an Zuschauer richtet.

National ist die Lage uneinheitlich. In Deutschland ist der gewerbliche Verkauf von Nikotinbeuteln faktisch untersagt, weil das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Nikotin als nicht zugelassene neuartige Lebensmittelzutat einstuft; Besitz und Konsum für den Eigenbedarf sind für Erwachsene nicht strafbar. Frankreich hat Verkauf, Besitz und Konsum oraler Nikotinprodukte zum 1. April 2026 verboten. Die Weltgesundheitsorganisation warnte im Mai 2026 vor Nikotinbeuteln und verwies auf eine Vermarktung, die gezielt junge Menschen anspreche.