Nicht immer mit drei Streifen
In Leuzēla-Trikots der Textilfabrik G. & A. Leuze aus Pfullingen bei Reutlingen wurde Deutschland 1954 in Bern Weltmeister und trug auch bei der WM 1958 in Schweden Trikots aus dem Hause Leuze, wie Stefan Appenowitz weiß
Ende März 2024 platzte die Meldung über Fußball-Deutschland herein, dass Adidas ab 2027 sein Mandat als Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft an Nike verliert. In vielen Artikeln, Nachrichten und Social-Media-Posts wurde darauf verwiesen, dass der DFB mit seiner Entscheidung eine 70 Jahre andauernde Partnerschaft „einfach des Geldes wegen“ beiseitegeschoben habe. Dass diese Partnerschaft allerdings nur bei den Schuhen so lange währte und nicht bei den Trikots, kam in vielen Berichten zu kurz oder wurde gar unterschlagen. Deshalb nachfolgend ein kleiner Überblick, in welchen Trikots die DFB-Auswahl bei den großen Turnieren der vergangenen 72 Jahre gespielt hat.
In Leuzēla-Trikots wurde Deutschland 1954 Weltmeister
In Leuzēla-Trikots der Textilfabrik G. & A. Leuze aus Pfullingen bei Reutlingen wurde Deutschland 1954 in Bern Weltmeister und trug auch bei der WM 1958 in Schweden wieder Trikots aus dem Hause Leuze. Es existierten zwei Familienzweige mit dem Namen Leuze, deren Wege sich nach rund 20 gemeinsamen Jahren im Jahre 1877 getrennt hatten. Aus dem einen entwickelte sich mit Leuze Electronic ein Weltkonzern im Bereich Sensorik am Standort Owen. Der andere hatte nicht so viel Glück. Er verkaufte seinen Sportbekleidungsbereich 1975 an den ebenfalls in Pfullingen ansässigen Wettbewerber Erima.
Im Jahr 1936 hatte der 35-jährige Diplom-Kaufmann Erich Mak (EriMa) die im Jahr 1900 in Reutlingen gegründete Sportbekleidungsfabrik R. Wehrstein & Co. übernommen. Nach der Übernahme baute Mak das Sortiment beständig aus und wurde über den Sportfachhandel Ausrüster zahlreicher namhafter Klubs. Zur WM 1962 in Chile kam auch die Fußball-Nationalmannschaft hinzu, nachdem Erima zuvor schon bei den Olympischen Spielen in Rom erste deutsche Athleten mit Sportbekleidung ausgerüstet hatte. 1976 übernahm Adidas das hochrentable Unternehmen. Gemeinsam stattet man diverse Bundesliga-Mannschaften aus.
Dank speziell ausgehandelter Verträge traten einige Teams wie der VfB Stuttgart, der 1. FC Köln oder der 1. FC Kaiserslautern im wöchentlichen Wechsel mal in Adidas-, mal in Erima-Trikots an. Auch die Nationalmannschaft bestritt nach der Übernahme durch Adidas die WM 1978 in Argentinien und die Europameisterschaft 1980 in Italien noch in Trikots aus Reutlingen. Lediglich im EM-Endspiel gegen Belgien wechselte man wegen der hohen Werbewirksamkeit der Partie auf Trikots mit den drei Streifen.
Bei den Weltmeisterschaften 1966 und 1970 spielte Deutschland in Umbro-Trikots
Bei den Weltmeisterschaften 1966 in England und 1970 in Mexiko spielte die deutsche Mannschaft wiederum in Trikots des englischen Herstellers Umbro, der als Generalimporteur von Adidas-Schuhen in Großbritannien eine enge Geschäftsbeziehung nach Herzogenaurach pflegte.
Was Adi Dassler in Sachen Fußballschuhe in Deutschland war, verkörperten die HUMphries BROthers in Sachen Sportbekleidung in England. Ähnlich wie Adidas in der Bundesliga rüstete Umbro in den 1980er-Jahren den Großteil der heimischen Profiklubs und auch die Three Lions mit Trikots aus. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien spielte Deutschland erstmals von Kopf bis Fuß in Trikots, Hosen, Stutzen und Schuhen mit den drei Streifen.
Insofern beträgt die dauerhaft nach außen klar sichtbare Adidas-Partnerschaft mit Textilien im Jahr 2026 keine 72 Jahre, sondern lediglich 44 Jahre. Natürlich immer noch lang genug, um dem bevorstehenden Wechsel mit Wehmut entgegenzublicken.
In meiner aktuellen STOFFKUNDE-Trikot-Podcastfolge spreche ich mit dem Experten Daniel Haas über die Trikothistorie afrikanischer Nationen beim Afrika-Cup und über die bevorstehende Fußball-WM. Hört doch gerne mal rein.