Neuendorf bekräftigt: "Kein Maulkorb" - aber Sport im Fokus

Der DFB-Präsident gibt vor dem WM-Start noch einmal die Verbandslinie vor.

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Neuendorf bekräftigt: "Kein Maulkorb" - aber Sport im Fokus
Foto: © AFP/SID/THOMAS KIENZLE

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat kurz vor dem WM-Start noch einmal die Verbandslinie für den Umgang mit politischen Themen bekräftigt. "Es gibt keinen Maulkorb", sagte der 64-Jährige vor der Turniergeneralprobe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Chicago gegen die USA (20.30 Uhr) bei RTL, der Fokus der Stars solle aber auf dem Fußball liegen.

"Wenn ein Spieler das Bedürfnis hat, sich zu äußern zu politischen Dingen, wird das möglich sein. Aber sie sind so fokussiert auf das Turnier, wollen Spiele gewinnen und die Fans begeistern - das steht bei den Spielern absolut im Mittelpunkt", ergänzte Neuendorf.

Die Leute dürften "darauf vertrauen, dass wir unsere Prinzipien haben und diese nicht über Bord werfen", betonte der DFB-Präsident, mit Kapitän Joshua Kimmich sei aber besprochen, "dass ich die politischen Gespräche im Hintergrund führe. Und wenn das Bedürfnis besteht vonseiten der Spieler, sich auszutauschen, komme ich dem natürlich nach."

2022 bei der WM in Katar mit der langwierigen Diskussion um die "One Love"-Binde sei die Lage "überhitzt" gewesen, "auch in den Medien. Jetzt ist es relativ ruhig geblieben. Natürlich kann man viele Dinge kritisieren, auch in der Weltpolitik, aber wir haben nicht den Fehler gemacht, auf jedes Thema zu reagieren. Das überfordert ein Stück weit auch einen Fußballverband."

Zur Sicherheitslage berichtete Neuendorf, dass der DFB seit Monaten in Kontakt "mit dem Auswärtigen Amt und den Konsulaten in den USA" stehe. "Es kommen viele Fans aus Deutschland, wir hatten 60.000 Anfragen allein für die deutschen Spiele - trotz der hohen Preise. Und natürlich haben wir ein Stück weit Verantwortung für die Fans, dass sie hier gut aufgehoben sind." Das erwarte er auch. "Ich gehe davon aus, dass alles in ruhigen Bahnen verläuft."

Sportlich hoffe er nach dem Ausfall von Jungstar Lennart Karl auf eine "Trotzreaktion", meinte er. "Man kann ihm nicht tagelang nachtrauern. Sicher ist das ein Verlust und für den Jungen tragisch, aber der Blick muss nach vorne gehen. Jeder spielt ein Stück weit für ihn."

Acht Tage vor dem WM-Auftakt gegen Curacao in Houston habe der Testspielerfolg von DFB-Gruppengegner Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) gegen Vizeweltmeister Frankreich (2:1) "den Fokus geschärft. Alle, die von einer leichten Gruppe gesprochen haben, müssen sich ein Stück weit korrigieren. Jetzt ist klar, dass man keinen Gegner unterschätzen darf. Ecuador und die Elfenbeinküste sind sehr ernstzunehmende Gegner."