Müller-Wohlfahrt: Das Vertrauen war seine Medizin
Die Sportstars Usain Bolt und Wladimir Klitschko sowie der FC Bayern schworen auf ihn, Trainer Guardiola nicht. Eine Sky-Doku fragt, warum die Stars dem Arzt jahrzehntelang vertrauten.
Für die Dreharbeiten ist Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach vielen Jahren wieder in die Allianz Arena gegangen. Das Stadion war jahrzehntelang sein Arbeitsplatz als Mannschaftsarzt des FC Bayern, bis zum Bruch. Im April 2015 trat er nach dem 1:3 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Porto mit sofortiger Wirkung zurück, nachdem Pep Guardiola die medizinische Abteilung für die vielen Verletzten verantwortlich gemacht hatte.
Die Sky-Original-Doku „Müller-Wohlfahrt – Der Arzt der Champions“, ab 23. Oktober bei Sky und WOW, stellt eine andere Frage als die nach dem Streit: Warum haben Weltstars aus Fußball, Leichtathletik, Tennis, Boxen und Showbusiness über Jahrzehnte gerade ihm vertraut? Zu Wort kommen Usain Bolt, Wladimir Klitschko, Katarina Witt, Franziska van Almsick, Joachim Löw, Uli Hoeneß, Paul Breitner, Lothar Matthäus und Peter Maffay, dazu seine Frau Karin und seine Tochter Maren. Bolt hat ihm eine seiner Goldmedaillen von Rio gewidmet, so steht es in der Bildunterschrift des Senders. Gedreht hat den 60-minütigen Film Regisseur Thomas Ammann, produziert hat ihn Kimmig Entertainment im Auftrag von Sky Deutschland.
Die Antwort steckt in der Methode, die ihn berühmt und angreifbar gemacht hat. Müller-Wohlfahrt diagnostiziert zuallererst mit den Händen, er ertastet Körper und Gelenke. Kritiker haben genau das immer wieder in Frage gestellt, auch das räumt die Sky-Mitteilung ein. Für die Sportler zählte etwas anderes: dass der Mann aus einer ostfriesischen Pfarrersfamilie sie schnell zurück auf den Platz brachte. Die Sky-Mitteilung fasst es knapp zusammen: „präzise Diagnosen, schnelle Rehabilitation“.
Guardiola hatte aus seiner Sicht gute Gründe. Ein Trainer, der vor einem Viertelfinale ohne Bastian Schweinsteiger, Franck Ribéry, Arjen Robben, David Alaba, Javi Martínez und Medhi Benatia auskommen muss, fragt nach der medizinischen Abteilung, und er darf das. Wer in der Champions League gewinnen will, braucht die Stars auf dem Platz, nicht auf der Behandlungsliege.
Der FC Bayern hat die Antwort darauf selbst gegeben. Als Jupp Heynckes im Herbst 2017 zurückkam, kam auch Müller-Wohlfahrt zurück, bis zu seinem endgültigen Abschied 2020. Den Abend von Porto hat er bis heute nicht vergessen: Bei Sport1 sagte er 2025: „Der fürchterliche Eklat in Porto hat mich tief getroffen.“
Heute ist Müller-Wohlfahrt 84 und steht nach Angaben von Sky noch fast täglich in seiner Praxis im Zentrum Münchens. Die Stars, die in der Doku über ihn reden, sind der Befund: Vertrauen hat ihm keiner verordnet, das haben sie ihm selbst gegeben.