Monster Füllkrug: Besser ein schöner Herbst in Bremen als gar keiner
Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über das hervorragende Comeback eines Abgeschriebenen
Ich bin etwas erschrocken, als ich festgestellt habe: Niclas Füllkrug hat seinen 33. Geburtstag bereits hinter sich. Andererseits: Dass der alte, neue Hoffnungsträger aus Bremen einmal Bundesliga-Torschützenkönig war, klingt tatsächlich schon ein bisschen nach Märchen aus alter Zeit. Für die 16 Treffer, die er in der Saison 2022/23 für Bremen erzielte, gilt das auch. 16 Tore erledigt Harry Kane heute vor dem Frühstück.
Trotzdem: "Fülle" ist wieder da.
Okay, es war damals nur Bundesliga. Im Ausland (West Ham, Milan) ist Füllkrug in den Jahren danach gescheitert. Ich will nicht noch einmal darauf eingehen, dass die Abwehrreihen der Bundesliga deutlich freundlicher mit Stürmern umgehen als anderswo.
Vielleicht hat der Mann deshalb gleich nach seiner Rückkehr fünf Tore in sechs Pflichtspielen für Werder erzielt, darunter das wichtige 2:2 am Wochenende bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Borussia Dortmund. Egal, besser ein schöner Herbst in Deutschland als gar keiner im nicht ganz angrenzenden Ausland.

Seine neuen Mitspieler sind jedenfalls genauso erstaunt wie ich: "Jetzt kann ich verstehen, warum er im Champions-League-Finale stand (mit Dortmund gegen Madrid)", sagt Werder-Torwart Karl Hein: "Er erzielt massive Goals. Und was er für uns auf und neben dem Platz tut, ist enorm: Dieser Typ ist ein Monster."
Diese Aura hätte ich als unabhängiger Beobachter deutscher Länderspiele natürlich gern öfter verspürt, als Füllkrug das DFB-Trikot trug. Aber diese Kolumne soll nicht von Untergängen handeln, sondern von einer Auferstehung.
Ja, richtig, für mich war Füllkrug erledigt: Egal, wohin er wechselte, es wurde nichts. Der Woltemade-Faktor sozusagen. In zwei Jahren Premier League und Serie A traf der gebürtige Hannoveraner Füllkrug ganze vier Mal das Tor. Also in Summe. Zusammen. Vier. Inklusive Mehrwertsteuer.
Mich beeindruckt heute, wie er das weggesteckt hat. Sein Mitspieler Ludovit Reis sagt: "Fülle ist ein Charakter. Er gibt 120 Prozent, jedes Mal." Füllkrug sagt, dass er nach unschönen Stationen mit erhöhtem Ersatzbankaufkommen jetzt "maximale Fitness" erreicht habe: "Das ist in England und bei Milan leider ein bisschen ausgeblieben."
Beim 2:2 in Dortmund rannte er 11,48 Kilometer. "Ich weiß nicht, wie viele 33-jährige Mittelstürmer 11,5 Kilometer laufen", sagte Füllkrug. Fortsetzung folgt: am Samstag gegen Paderborn.
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