Meister ohne Aufstieg: Der DFB muss endlich liefern

Seit 2012 entscheidet die Postleitzahl mit über den Sprung in die 3. Liga. Im Herbst hat der Verband die Chance, diesen Konstruktionsfehler zu beenden.

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Meister ohne Aufstieg: Der DFB muss endlich liefern
IMAGO/Picture Point

Dreimal Meister, dreimal nicht aufgestiegen: Lok Leipzig hat seit 2020 dreimal die Regionalliga Nordost gewonnen und jedes Mal in den Aufstiegsspielen verloren. Kein Skandal, kein Regelverstoß, kein Betrug – einfach nur ein System, das den Sachsen die Tür zeigt, während sie anderswo offen steht.

Denn wer im Westen oder Südwesten Meister wird, ist aufgestiegen. Punkt. In den Staffeln Nord, Nordost und Bayern gilt das nicht: Dort stellt ein Rotationsverfahren einen weiteren Direktaufsteiger, die beiden übrigen Meister spielen den vierten in Hin- und Rückspiel aus.

Bislang steigen also nur die Meister aus zwei von fünf Regionalligen automatisch auf – und genau diesen Konstruktionsfehler kann der DFB auf seinem Bundestag im Herbst mit dem Kompass-Modell beenden. Er muss es sogar, wenn der Satz vom sportlichen Wert einer Meisterschaft im deutschen Unterbau noch etwas bedeuten soll.

Das Modell ist ja nicht kompliziert. Alle Regionalliga-Meister steigen in die 3. Liga auf, dafür sinkt die Zahl der Staffeln von fünf auf vier: Nord, Ost, West und Süd. Die Klubs sollen mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz flexibel nach geografischen Kriterien verteilt werden, ausgewogen und regional, Derbys sollen weiter stattfinden. Vier Staffeln, vier Meister, vier Aufsteiger – die Rechnung geht auf, ohne dass jemand ein Extraturnier braucht.

Der DFB selbst hat auf SID-Anfrage erklärt, man strebe eine „zeitnahe Lösung des Problems“ an – zunächst aber werde Präsident Bernd Neuendorf „interne Gespräche“ führen. Das ist die vorsichtige Variante, und sie hat ihre Berechtigung: Ende Juni ist ein Reformversuch krachend gescheitert, weil im Südwesten 93,1 Prozent der Klub-Verantwortlichen für das Regionenmodell votierten und in Bayern 52,4 Prozent überhaupt neue Modelle ausgearbeitet sehen wollten. Wer ohne Rückhalt der Regionalverbände auf den Bundestag zugeht, riskiert dieselbe Blamage ein zweites Mal.

Nur: Im Westen stimmten 60,9 Prozent für das Kompass-Modell, im Norden 61,5, im Nordosten 76,3. Drei von fünf Regionen sind also längst so weit, und dass ausgerechnet der Südwesten – eine der beiden Staffeln mit garantiertem Aufstiegsrecht – die Reform blockiert, macht die Sache nicht sympathischer. Wer den Bestandsschutz genießt, hat naturgemäß wenig Not, ihn aufzugeben.

Einstimmigkeit gibt es in dieser Frage nicht, sie hat es seit 2012 nicht gegeben. Damals wurden die Regionalligen auf fünf Staffeln erweitert, und seither existiert das Problem, das jetzt gelöst werden soll: dreizehn Jahre Ungleichbehandlung, dreizehn Jahre Tagesordnungspunkt. Ein Verband, der auf Konsens wartet, wartet in diesem Fall unendlich lange.

Deshalb ist der Weg über den Bundestag der richtige. Dort entscheiden Delegierte, nicht die Betroffenen in eigener Sache, und dort lässt sich eine Mehrheit organisieren, die in den Umfragen der Regionen nie zustande kommt. Neuendorfs interne Gespräche sind nur dann etwas wert, wenn an ihrem Ende ein Beschluss steht und nicht die nächste Vertagung – Chefsache heißt, dass am Ende einer entscheidet.

Die Alternative kennt man ja: Lok Leipzig gewinnt zum vierten Mal die Regionalliga Nordost und darf wieder in die Aufstiegsspiele, während der Meister im Westen längst die Aufstiegsfeier plant. Sportlich ist daran nichts zu rechtfertigen, verwaltungstechnisch alles. Deutscher Fußball von seiner zähesten Seite.

Ein Meister, der aufsteigt: In der 3. Liga ist das seit 2012 eine Frage der Adresse. Wenn der DFB das im Herbst nicht ändert, sollte er aufhören, von sportlicher Fairness zu reden.

Unbedingt lesen: Medien: DFB will Kompass-Modell durchsetzen