Matthäus' Einzelkritik: Stärken und Schwächen der DFB-Stars
Der Rekordnationalspieler bewertet die deutsche WM-Elf im Detail.
Ein herausragender, aber verletzungsanfälliger Torwart, ein führungsstarker Kapitän, dem die "Endgeschwindigkeit" fehlt, und ein gehemmter Zauberfuß: Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat die deutsche WM-Elf einer Einzelkritik unterzogen und dabei neben den Stärken der DFB-Stars auch Schwächen benannt.
Rückkehrer Manuel Neuer leide aktuell unter seiner Verletzungsanfälligkeit, sagte Matthäus bei BildTV, habe ansonsten aber "alles, was ein Torhüter braucht". Kapitän Joshua Kimmich lobte er als "Führungsspieler mit sehr viel Erfahrung", dem auf der Außenbahn aber "ein bisschen die Endgeschwindigkeit" fehle.
Jonathan Tah findet Matthäus "ein bisschen unbeweglich in den Drehungen nach hinten", was der Bayern-Profi aber mit seiner Zweikampfstärke und "körperlicher Robustheit" wettmache. Nebenmann Nico Schlotterbeck sei "immer Gelb-Rot-gefährdet" oder laufe Gefahr, Elfmeter zu verursachen, spiele aber "immer mit großem Herz". Senkrechtstarter Nathaniel Brown schließlich sei "ein bisschen unerfahren, gerade international", besteche auf links aber mit seiner Geschwindigkeit.
Auch das Sechser-Duo unterzog Matthäus einem Check. Aleksandar Pavlovic überzeuge mit seiner Passgenauigkeit, es mangle aber an der "taktischen Abstimmung" mit seinem neuen Partner Felix Nmecha. Der Dortmunder wiederum sei "einer der stärksten Box-to-Box-Spieler der Welt", müsse aber "öfter seine Position in der Defensive genauer finden", meinte Matthäus.
Bei Florian Wirtz monierte er die schwankenden Leistungen. "Ab und zu Weltklasse - und dann, vor allem im letzten Jahr, hat man ihn ab und zu nicht gesehen. Er soll selbstbewusster spielen, sich mehr zutrauen." Wie Jamal Musiala, der "mit dem Kopf noch nicht ganz frei ist". Matthäus hofft, dass der Münchner "die Qualität, die wir über Jahre bewundert haben", bei der WM wieder zeigen kann.
Auch bei Leroy Sané schwärmte er von "individueller Qualität - das Paket hat er. Aber er zeigt es leider zu wenig." Neuner Kai Havertz dagegen bekleide "nicht unbedingt seine Position, wo er all seine Stärken zeigen kann", sei aber "erwachsen geworden" und ein "Unterschiedsspieler".